Immunglobulin G
Immunsystem & EntzündungZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Immunglobulin G?
Immunglobulin G (IgG) ist der häufigste Antikörper im Blut und in der extrazellulären Flüssigkeit und macht etwa 75–80 % aller Serum-Immunglobuline aus. IgG ist ein monomerer Antikörper, der von Plasmazellen während der sekundären Immunantwort gebildet wird und damit den wichtigsten Antikörper der langfristigen Immunität und des immunologischen Gedächtnisses darstellt. IgG ist das einzige Immunglobulin, das die Plazenta passieren kann, und verleiht dem Fetus und Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten einen passiven Immunschutz.
IgG wird in vier Subklassen unterteilt – IgG1, IgG2, IgG3 und IgG4 –, die sich in ihren Effektorfunktionen unterscheiden. Die quantitative IgG-Messung ist grundlegend für die Diagnose von Immundefektsyndromen, die Überwachung einer Immunglobulinersatztherapie und die Abklärung von Gammopathien.
Warum der Wert wichtig ist
IgG ist das Rückgrat der humoralen Immunität. Niedrige IgG-Spiegel machen anfällig für wiederkehrende bakterielle Infektionen, besonders mit bekapselten Erregern wie Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae. Primäre Immundefekte wie CVID und X-chromosomale Agammaglobulinämie sind durch deutlich erniedrigtes IgG gekennzeichnet und werden oft lebenslang mit Immunglobulinen behandelt. Monoklonal erhöhtes IgG ist typisch für ein IgG-Myelom, während polyklonal erhöhtes IgG bei chronischen Infektionen, Autoimmunerkrankungen und Leberkrankheiten vorkommt.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene | 700–1,600 | mg/dL |
| Kinder (6–12 Jahre) | 600–1,500 | mg/dL |
| Kinder (1–5 Jahre) | 400–1,300 | mg/dL |
| Neugeborene | 700–1,300 | mg/dL (maternell) |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe IgG-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- IgG-Myelom (monoklonale Erhöhung)
- Chronische Infektionen (HIV, Hepatitis, Tuberkulose)
- Autoimmunerkrankungen (SLE, rheumatoide Arthritis, Sarkoidose)
- Lebererkrankung (Zirrhose, chronische Hepatitis)
- IgG4-assoziierte Erkrankung
- Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)
- Chronisch-entzündliche Erkrankungen
Mögliche Symptome
- Knochenschmerzen und pathologische Frakturen (bei Myelom)
- Müdigkeit und Schwäche
- Wiederkehrende Infektionen (Immunschwäche bei Myelom)
- Gewichtsverlust
- Nierenfunktionsstörung
- Hyperviskositätssymptome (selten, häufiger bei IgM)
- Organschwellung und Fibrose (bei IgG4-assoziierter Erkrankung)
Was zu tun ist: Erhöhtes IgG erfordert eine Serumprotein-Elektrophorese mit Immunfixation, um zwischen polyklonaler und monoklonaler Erhöhung zu unterscheiden. Monoklonales IgG verlangt eine Myelomdiagnostik einschließlich freier Leichtketten, 24-Stunden-Urin, Bildgebung und Knochenmarkuntersuchung. Polyklonale Erhöhungen sprechen eher für chronische Infektionen, Autoimmunität oder Lebererkrankungen und sollten gezielt weiter abgeklärt werden.
Was niedrige IgG-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Common Variable Immunodeficiency (CVID)
- X-chromosomale Agammaglobulinämie (Bruton-Erkrankung)
- IgG-Subklassenmangel
- Nephrotisches Syndrom (Proteinverlust über den Urin)
- Proteinverlustenteropathie
- Medikamente (Rituximab, Kortikosteroide, Immunsuppressiva)
- Chronische lymphatische Leukämie
- Schwere Verbrennungen oder Proteinmangelernährung
Mögliche Symptome
- Wiederkehrende sinopulmonale Infektionen (Sinusitis, Bronchitis, Pneumonie)
- Wiederkehrende Ohrinfektionen
- Chronische Diarrhö
- Invasive Infektionen (Sepsis, Meningitis)
- Bronchiektasen durch chronische Lungeninfektionen
- Gedeihstörung bei Kindern
Was zu tun ist: Niedriges IgG mit wiederkehrenden Infektionen erfordert eine umfassende immunologische Abklärung einschließlich IgG-Subklassen, IgA, IgM, Impfantworten und Lymphozytenbestimmung. Bei bestätigter CVID oder anderen relevanten Antikörpermängeln ist häufig eine lebenslange Immunglobulinersatztherapie notwendig. Zusätzlich sind Infektprophylaxe und eine konsequente Behandlung von Infektionen wichtig.
Wann wird ein IgG-Test empfohlen?
- Wenn wiederkehrende bakterielle Infektionen auf eine Immundefizienz hindeuten
- Bei der Abklärung einer auffälligen Serumprotein-Elektrophorese
- Wenn ein multiples Myelom vermutet wird
- Zur Überwachung einer Immunglobulinersatztherapie
- Bei der Abklärung nephrotischer Syndrome oder von Proteinverlustzuständen
- Als Teil eines Immunglobulin-Panels in der immunologischen Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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