IgA

Immunglobulin A

Immunsystem & Entzündung

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Immunglobulin A?

Immunglobulin A (IgA) ist ein Antikörper, der eine zentrale Rolle in der Schleimhautimmunität spielt – also im Schutz der Körperoberflächen, die mit der Außenwelt in Kontakt stehen. IgA ist das am häufigsten produzierte Immunglobulin des menschlichen Körpers und der dominierende Antikörper in Speichel, Tränen, Muttermilch sowie in den Schleimhäuten der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und des Urogenitaltrakts. Es kommt in zwei Formen vor: Serum-IgA im Blut und sekretorisches IgA auf Schleimhautoberflächen.

Serum-IgA macht etwa 10–15 % der gesamten Serum-Immunglobuline aus. Es wird von Plasmazellen im Knochenmark und im schleimhautassoziierten lymphatischen Gewebe produziert. Sekretorisches IgA wirkt als erste Schutzbarriere, indem es Krankheitserreger und Toxine an Schleimhautoberflächen bindet und deren Anheftung und Eindringen verhindert. Die quantitative Messung von Serum-IgA dient der Abklärung von Immundefekten, IgA-Nephropathie, Zöliakie und bestimmten autoimmunen oder lymphoproliferativen Erkrankungen.

Warum der Wert wichtig ist

IgA ist der vorderste Schutz der Schleimhäute. Ein selektiver IgA-Mangel ist der häufigste primäre Immundefekt und geht mit erhöhter Anfälligkeit für Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen, Allergien und Autoimmunerkrankungen einher. Erhöhtes IgA ist typisch für die IgA-Nephropathie und kann auch bei IgA-Myelom, Leberzirrhose oder chronischen Schleimhautinfektionen auftreten. Antikörper gegen Gewebstransglutaminase vom Typ IgA sind zudem der wichtigste Screeningtest auf Zöliakie.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene70–400mg/dL
Kinder (6–12 Jahre)50–250mg/dL
Kinder (1–5 Jahre)20–160mg/dL
Neugeborene1–5mg/dL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe IgA-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • IgA-Nephropathie (Morbus Berger)
  • IgA-Myelom (Multiples Myelom, IgA-Subtyp)
  • Leberzirrhose (alkoholisch und nicht alkoholisch)
  • Chronische Infektionen (Atemwege, GI-Trakt)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Zöliakie
  • Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, SLE)
  • Henoch-Schönlein-Purpura (IgA-Vaskulitis)

Mögliche Symptome

  • Hämaturie (Blut im Urin, bei IgA-Nephropathie)
  • Bauch- oder Flankenschmerzen
  • Purpurischer Ausschlag an den unteren Extremitäten (IgA-Vaskulitis)
  • Gelenkschmerzen
  • Wiederkehrende Infektionen
  • Müdigkeit und Gewichtsverlust (bei Myelom)
  • Zeichen einer Lebererkrankung (bei Zirrhose)

Was zu tun ist: Deutlich erhöhtes IgA sollte Anlass für eine Serumprotein-Elektrophorese und Immunfixation sein, um ein IgA-Myelom auszuschließen. Bei Hämaturie sollte eine IgA-Nephropathie mit Urinuntersuchung, Nierenfunktionsdiagnostik und gegebenenfalls Nierenbiopsie abgeklärt werden. Erhöhtes IgA mit Leberwertveränderungen spricht für eine mögliche Zirrhose. Behandelt wird die zugrunde liegende Erkrankung.

Was niedrige IgA-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Selektiver IgA-Mangel (häufigster primärer Immundefekt)
  • Common Variable Immunodeficiency (CVID)
  • Ataxia teleangiectatica
  • Medikamente (Phenytoin, Carbamazepin, Immunsuppressiva)
  • Nephrotisches Syndrom (Proteinverlust)
  • Chronische lymphatische Leukämie
  • X-chromosomale Agammaglobulinämie

Mögliche Symptome

  • Wiederkehrende sinopulmonale Infektionen
  • Chronische Diarrhö und gastrointestinale Infektionen
  • Allergien und Asthma (häufiger)
  • Autoimmunerkrankungen (Thyreoiditis, Zöliakie, Lupus)
  • Viele Menschen mit IgA-Mangel sind komplett asymptomatisch

Was zu tun ist: Ist IgA nicht nachweisbar, sollte ein selektiver IgA-Mangel durch Bestimmung von IgG und IgM bestätigt werden, die bei isoliertem IgA-Mangel normal sein sollten. Betroffene sollten über das Risiko anaphylaktischer Transfusionsreaktionen bei IgA-haltigen Blutprodukten informiert werden. Für das Zöliakie-Screening sind bei IgA-Mangel IgG-basierte Tests erforderlich, da Standard-IgA-Tests falsch negativ ausfallen können.

Wann wird ein IgA-Test empfohlen?

  • Wenn wiederkehrende sinopulmonale oder gastrointestinale Infektionen auf eine Immundefizienz hindeuten
  • Bei der Abklärung einer Hämaturie mit Verdacht auf IgA-Nephropathie
  • Als Teil eines Immunglobulin-Panels in der immunologischen Diagnostik
  • Vor dem Zöliakie-Screening (um einen IgA-Mangel auszuschließen)
  • Wenn ein IgA-Myelom vermutet wird
  • Bei der Abklärung einer IgA-Vaskulitis (Henoch-Schönlein-Purpura)

Häufig gestellte Fragen

Ein selektiver IgA-Mangel ist der häufigste primäre Immundefekt. Er ist definiert als Serum-IgA unter 7 mg/dL bei normalen IgG- und IgM-Werten bei Personen über 4 Jahren. Viele Betroffene bleiben asymptomatisch, andere entwickeln häufiger Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen, Allergien oder Autoimmunerkrankungen.
Der Standard-Screeningtest auf Zöliakie ist tTG-IgA. Bei IgA-Mangel fällt dieser Test falsch negativ aus, weil der Körper generell kein oder kaum IgA bildet. Deshalb müssen bei IgA-Mangel IgG-basierte Tests wie tTG-IgG oder deamidiertes Gliadin-IgG verwendet werden.
Die IgA-Nephropathie (Morbus Berger) ist die häufigste Form der Glomerulonephritis weltweit. Dabei lagern sich fehlglykolysierte IgA1-haltige Immunkomplexe im glomerulären Mesangium ab und lösen Entzündung und Nierenschädigung aus. Typisch ist sichtbare oder mikroskopische Hämaturie, häufig nach Infekten der oberen Atemwege.
Menschen mit IgA-Mangel können Anti-IgA-Antikörper entwickeln und dadurch bei Standardblutprodukten ein erhöhtes Risiko für schwere anaphylaktische Transfusionsreaktionen haben. Wenn Transfusionen nötig sind, sollten möglichst gewaschene Erythrozyten oder Produkte von IgA-defizienten Spenderinnen und Spendern verwendet werden.
Bei Leberzirrhose steigt IgA unter anderem wegen einer verminderten hepatischen Clearance von IgA-Komplexen, vermehrter bakterieller Translokation aus dem Darm und – bei alkoholischer Lebererkrankung – durch direkte Stimulation IgA-produzierender Plasmazellen. Typisch ist dabei eine polyklonale Erhöhung.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

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