ALB

Albumin

Leberfunktion

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Albumin?

Albumin ist das häufigste Protein im menschlichen Blutplasma und macht etwa 55–60 % des gesamten Serumproteins aus. Es wird ausschließlich in der Leber mit einer Rate von ungefähr 10–15 Gramm pro Tag gebildet und hat eine Halbwertszeit von etwa 20 Tagen. Albumin erfüllt mehrere wichtige Funktionen: Es hält den onkotischen Druck aufrecht (hält Flüssigkeit in den Blutgefäßen und verhindert Ödeme), transportiert Hormone, Fettsäuren, Medikamente und Bilirubin und wirkt als Antioxidans sowie als Puffer für den Säure-Basen-Haushalt.

Serumalbumin wird im Rahmen des großen Stoffwechselpanels und der Leberfunktionsdiagnostik gemessen. Da Albumin in der Leber gebildet wird und eine relativ lange Halbwertszeit besitzt, ist niedriges Albumin (Hypoalbuminämie) ein Marker für chronische Lebererkrankungen, Mangelernährung oder Zustände mit Proteinverlust. Für akute Leberschäden ist Albumin kein guter Marker, weil die lange Halbwertszeit verhindert, dass die Werte nach einer akuten Verletzung schnell absinken. Bei chronischen Lebererkrankungen weist ein sinkender Albuminwert jedoch auf eine schlechter werdende Syntheseleistung hin und ist Bestandteil der Child-Pugh- und MELD-Scores zur Beurteilung des Schweregrads einer Lebererkrankung und der Eignung für eine Transplantation.

Warum der Wert wichtig ist

Albumin ist einer der besten Marker für die Syntheseleistung der Leber und den allgemeinen Ernährungszustand. Niedriges Albumin verursacht Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe), erhöht das Infektionsrisiko, beeinträchtigt die Wundheilung und ist bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit ungünstigeren Verläufen verbunden. Es ist ein wichtiger prognostischer Marker bei Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom und kritischer Erkrankung. Albumin beeinflusst außerdem die Interpretation anderer Tests – besonders Kalzium, das bei niedrigem Albumin korrigiert werden muss.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene3.5–5.5g/dL
Kinder3.8–5.4g/dL
Ältere Menschen (>60)3.4–4.8g/dL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe ALB-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Dehydrierung (häufigste Ursache scheinbar hoher Albuminwerte)
  • Proteinreiche Ernährung (geringer Einfluss)
  • Selten klinisch bedeutsam

Mögliche Symptome

  • Symptome der Dehydrierung: Durst, dunkler Urin, Schwindel

Was zu tun ist: Hohes Albumin ist fast immer Folge einer Dehydrierung und nicht eines echten Überschusses. Durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr normalisieren sich die Werte meist. Ist Albumin ohne Dehydrierung tatsächlich auf über 5,5 g/dL erhöht, hat dies nur selten klinische Bedeutung.

Was niedrige ALB-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Leberzirrhose oder chronische Lebererkrankung
  • Nephrotisches Syndrom (Albuminverlust über den Urin)
  • Mangelernährung oder Malabsorption
  • Chronische Entzündung (Albumin ist ein negatives Akutphaseprotein)
  • Verbrennungen (Proteinverlust über geschädigte Haut)
  • Proteinverlustenteropathie
  • Herzinsuffizienz
  • Sepsis und kritische Erkrankung

Mögliche Symptome

  • Ödeme (Schwellungen an Beinen, Knöcheln, Bauch)
  • Aszites (Flüssigkeit im Bauchraum)
  • Müdigkeit
  • Muskelschwund
  • Verlangsamte Wundheilung
  • Erhöhte Infektanfälligkeit

Was zu tun ist: Niedriges Albumin erfordert die Abklärung der zugrunde liegenden Ursache. Kontrollieren Sie Leberwerte, eine Urinuntersuchung auf Proteinurie (nephrotisches Syndrom) und Entzündungsmarker (CRP). Auch Ernährungszustand und Eiweißzufuhr sollten beurteilt werden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Optimierung der Ernährung, Diuretika bei Ödemen, Behandlung der Lebererkrankung oder immunsuppressive Therapie beim nephrotischen Syndrom. Intravenöse Albumininfusionen werden in speziellen klinischen Situationen eingesetzt (großvolumige Parazentese, spontane bakterielle Peritonitis, hepatorenales Syndrom), aber nicht routinemäßig bei jeder Hypoalbuminämie.

Wann wird ein ALB-Test empfohlen?

  • Im Rahmen eines großen Stoffwechselpanels
  • Bei der Beurteilung von Leberfunktion und Krankheitsausmaß
  • Bei Ödemen oder Aszites
  • Zur Einschätzung des Ernährungszustands
  • Zur Überwachung eines nephrotischen Syndroms
  • Bei kritisch kranken oder hospitalisierten Patientinnen und Patienten

Häufig gestellte Fragen

Albumin ist das wichtigste Protein zur Aufrechterhaltung des onkotischen Drucks – also der Kraft, die Flüssigkeit innerhalb der Blutgefäße hält. Sinkt der Albuminspiegel unter etwa 2,5 g/dL, nimmt dieser Druck ab und Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe über, was zu Ödemen führt. Das zeigt sich durch die Schwerkraft besonders an Beinen und Knöcheln (periphere Ödeme) sowie bei Lebererkrankungen im Bauchraum (Aszites). Beschrieben wird dies oft mit den Starling-Kräften: Das Gleichgewicht zwischen hydrostatischem Druck (drückt Flüssigkeit hinaus) und onkotischem Druck (zieht Flüssigkeit hinein) bestimmt die Flüssigkeitsverteilung.
Albumin wurde traditionell als Ernährungsmarker verwendet, hat aber klare Grenzen. Da Albumin ein negatives Akutphaseprotein ist, sinkt es bei Entzündung, Infektion und Stress unabhängig vom Ernährungszustand. Eine kritisch kranke Person kann also trotz ausreichender Ernährung ein niedriges Albumin haben, einfach aufgrund der Entzündungsreaktion. Präalbumin (Transthyretin) mit seiner kürzeren Halbwertszeit von etwa 2 Tagen reagiert schneller auf Ernährungsänderungen. Am besten beurteilt man den Ernährungszustand mit mehreren Markern zusammen: Albumin, Präalbumin, Körpergewicht, Ernährungsanamnese und klinischer Untersuchung.
Etwa 45 % des Kalziums im Blut sind an Albumin gebunden. Ist Albumin niedrig, wird weniger Kalzium gebunden, sodass das Gesamtkalzium erniedrigt erscheinen kann, obwohl das biologisch aktive ionisierte Kalzium normal ist – das nennt man Pseudohypokalzämie. Die Korrekturformel addiert 0,8 mg/dL zum Gesamtkalzium für jedes 1 g/dL, das Albumin unter 4,0 g/dL liegt. Beispiel: Bei einem Albumin von 2,0 g/dL und einem Kalzium von 7,5 mg/dL beträgt das korrigierte Kalzium 7,5 + (0,8 × 2,0) = 9,1 mg/dL. Alternativ kann ionisiertes Kalzium direkt gemessen werden, was die genaueste Beurteilung ermöglicht.

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Quellen- und Prüfungsansatz

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.