CO₂/HCO₃⁻

CO2 / Bikarbonat

Stoffwechselpanel

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist CO2 / Bikarbonat?

CO2/Bikarbonat ist ein Messwert im Basis- und umfassenden Stoffwechselprofil, der vor allem die Serum-Bikarbonatkonzentration widerspiegelt – den wichtigsten chemischen Puffer zur Aufrechterhaltung eines Blut-pH im engen Bereich von 7,35–7,45. Obwohl der Test meist als „CO₂“ bezeichnet wird, repräsentieren etwa 95 % des gemessenen Werts Bikarbonat; der Rest entfällt auf gelöstes Kohlendioxid und Kohlensäure. Das Bikarbonatpuffersystem wird gemeinsam von Lunge und Nieren reguliert.

Wenn sich Stoffwechselsäuren ansammeln, etwa bei diabetischer Ketoazidose, Laktatazidose, Nierenversagen oder Vergiftungen, wird Bikarbonat beim Puffern verbraucht und der CO₂-Wert sinkt. Geht Säure verloren, zum Beispiel durch anhaltendes Erbrechen, oder wird Base zugeführt, steigt Bikarbonat an. Damit ist dieser Wert oft der erste Hinweis auf eine metabolische Störung des Säure-Basen-Haushalts.

Warum der Wert wichtig ist

Bikarbonat ist essenziell für die pH-Stabilität des Blutes, von der jede Zelle abhängt. Niedriges Bikarbonat kann auf schwere Erkrankungen wie diabetische Ketoazidose, Laktatazidose, Nierenversagen oder toxische Intoxikationen hinweisen. Hohes Bikarbonat kann bei anhaltendem Erbrechen, Diuretikaübergebrauch oder chronischer respiratorischer Insuffizienz mit metabolischer Kompensation auftreten. Zusammen mit der Anionenlücke ist CO₂/Bikarbonat ein Ausgangspunkt für die Diagnose fast aller Säure-Basen-Störungen.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene22–29mEq/L
Kinder20–28mEq/L
Neugeborene17–24mEq/L

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe CO₂/HCO₃⁻-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Anhaltendes Erbrechen (Verlust von Magensäure)
  • Magensondenabsaugung
  • Diuretikatherapie (Thiazide, Schleifendiuretika)
  • Chronische respiratorische Azidose mit renaler Kompensation (COPD)
  • Cushing-Syndrom oder exzessive Kortikosteroidexposition
  • Primärer Hyperaldosteronismus
  • Massive Alkaliaufnahme (Milk-Alkali-Syndrom)

Mögliche Symptome

  • Muskelzuckungen und Krämpfe
  • Kribbeln in Fingern und Zehen (Parästhesien)
  • Verwirrtheit und Schwindel
  • Übelkeit
  • Herzrhythmusstörungen (in schweren Fällen)
  • Flache Atmung (kompensatorische Hypoventilation)

Was zu tun ist: Ein erhöhter CO₂-/Bikarbonatwert sollte mit Blutgasanalytik und Elektrolyten weiter beurteilt werden, um eine metabolische Alkalose zu bestätigen und die Kompensation einzuordnen. Urinchlorid hilft bei der Unterscheidung zwischen chloridresponsiver und chloridresistenter Alkalose. Zusätzlich sollten Kalium und Volumenstatus beurteilt und die zugrunde liegende Ursache gezielt behandelt werden.

Was niedrige CO₂/HCO₃⁻-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Diabetische Ketoazidose
  • Laktatazidose (Sepsis, Schock, Ischämie)
  • Chronische Nierenerkrankung (gestörte Säureausscheidung)
  • Renale tubuläre Azidose
  • Schwere Diarrhö (Bikarbonatverlust)
  • Toxische Ingestionen (Methanol, Ethylenglykol, Salicylate)
  • Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz)

Mögliche Symptome

  • Schnelle tiefe Atmung (Kussmaul-Atmung)
  • Müdigkeit und Schwäche
  • Verwirrtheit und Bewusstseinsveränderungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Vermindertes Herzzeitvolumen (bei schwerer Azidose)

Was zu tun ist: Ein niedriges CO₂/Bikarbonat spricht für eine metabolische Azidose und erfordert die Berechnung der Anionenlücke. Bei erhöhter Anionenlücke sollten Laktat, Glukose/Ketone, Nierenfunktion und Toxikologie überprüft werden. Eine normale Anionenlücke spricht eher für Bikarbonatverlust oder Störungen der renalen Säureausscheidung. Behandelt wird immer die zugrunde liegende Ursache; Natriumbikarbonat ist meist schweren Fällen vorbehalten.

Wann wird ein CO₂/HCO₃⁻-Test empfohlen?

  • Als Teil eines routinemäßigen Stoffwechselprofils
  • Bei der Abklärung vermuteter Säure-Basen-Störungen
  • Zur Überwachung von Diabetikerinnen und Diabetikern auf Ketoazidose
  • Bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Lungenerkrankung
  • Zur Überwachung unter Diuretikatherapie
  • Bei kritisch kranken oder hospitalisierten Patientinnen und Patienten

Häufig gestellte Fragen

Ja. Das im Basis- oder umfassenden Stoffwechselprofil angegebene „CO₂“ oder „Gesamt-CO₂“ entspricht im Wesentlichen dem Bikarbonatwert. Etwa 95 % des gemessenen Werts bestehen aus Bikarbonat. Das ist etwas anderes als der pCO₂-Wert in der Blutgasanalyse, der den respiratorischen Anteil des Säure-Basen-Haushalts beschreibt.
Die Nieren regenerieren Bikarbonat und scheiden täglich anfallende Säuren aus. Bei chronischer Nierenerkrankung gelingt diese Säureausscheidung schlechter, Säuren reichern sich an und verbrauchen Bikarbonat. So entsteht eine metabolische Azidose, die unter anderem Muskelabbau und Knochenverlust fördern kann.
Ja. Durch anhaltendes Erbrechen geht Magensäure verloren. Dadurch verbleibt relativ mehr Bikarbonat im Blut und es kann eine metabolische Alkalose entstehen. In Kombination mit Volumen- und Kaliumverlust kann das zu Herzrhythmusstörungen und anderen Komplikationen führen.
Die Anionenlücke wird aus Natrium minus (Chlorid + Bikarbonat) berechnet. Ist Bikarbonat niedrig, hilft die Anionenlücke bei der Einordnung der Form der metabolischen Azidose. Eine erhöhte Anionenlücke spricht für nicht gemessene Säuren wie Laktat oder Ketonkörper, eine normale Anionenlücke eher für Bikarbonatverlust oder renale tubuläre Azidose.
Die Lunge reguliert rasch den CO₂-Anteil über die Atmung, während die Nieren langsamer Bikarbonat rückresorbieren, ausscheiden oder neu bilden. Fällt ein System aus, versucht das andere zu kompensieren. Deshalb müssen bei Störungen des Säure-Basen-Haushalts meist beide Komponenten gemeinsam betrachtet werden.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

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