Anionenlücke
StoffwechselpanelZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Anionenlücke?
Die Anionenlücke ist ein berechneter Wert aus gemessenen Serumelektrolyten, der die Differenz zwischen den wichtigsten gemessenen Kationen (Natrium) und den wichtigsten gemessenen Anionen (Chlorid und Bikarbonat) darstellt. Die Formel lautet: AG = Na⁺ − (Cl⁻ + HCO₃⁻). Dieser Wert spiegelt die Konzentration nicht gemessener Anionen im Blut wider, darunter Albumin, Phosphat, Sulfat und organische Säuren wie Laktat und Ketosäuren. Eine normale Anionenlücke zeigt an, dass die gemessenen Kationen und Anionen den Großteil der geladenen Teilchen im Blut erklären.
Die Anionenlücke ist eines der leistungsfähigsten diagnostischen Werkzeuge in der Säure-Basen-Medizin. Liegt eine metabolische Azidose vor (niedriges Bikarbonat und niedriger pH), unterscheidet die Anionenlücke zwischen zwei grundlegend verschiedenen Kategorien: der metabolischen Azidose mit erhöhter Anionenlücke (verursacht durch die Akkumulation nicht gemessener Säuren wie Milchsäure, Ketosäuren oder toxischer Alkohole) und der metabolischen Azidose ohne Anionenlücke/hyperchlorämischen Azidose (verursacht durch Bikarbonatverlust oder gestörte renale Säureausscheidung). Diese Unterscheidung grenzt die Differenzialdiagnose stark ein und steuert das Notfallmanagement.
Warum der Wert wichtig ist
Die Anionenlücke ist essenziell für die Diagnose der Ursache einer metabolischen Azidose – eines Zustands, der lebensbedrohlich sein kann. Sie hilft dabei, gefährliche Ursachen wie diabetische Ketoazidose, Laktatazidose, toxische Ingestionen (Methanol, Ethylenglykol) und Nierenversagen zu erkennen. Eine hohe Anionenlücke ist ein Warnsignal, das sofortige Abklärung erfordert. Mit der Delta-Delta-Berechnung hilft die Anionenlücke außerdem beim Erkennen gemischter Säure-Basen-Störungen. Da sie aus Routineelektrolyten berechnet wird, liefert sie wichtige diagnostische Informationen ohne zusätzliche Kosten.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene (ohne Kalium) | 8–12 | mEq/L |
| Erwachsene (mit Kalium in der Formel) | 10–14 | mEq/L |
| Albumin-korrigiert (plus 2,5 pro 1 g/dL unter 4,0) | Angepasst | mEq/L |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe AG-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Diabetische Ketoazidose (DKA)
- Laktatazidose (Sepsis, Schock, Ischämie)
- Urämie (fortgeschrittenes Nierenversagen)
- Aufnahme toxischer Alkohole (Methanol, Ethylenglykol)
- Salicylat- (Aspirin-)Überdosierung
- Hungerketose
- Alkoholische Ketoazidose
- Isoniazid- oder Eisentoxizität
Mögliche Symptome
- Schnelle tiefe Atmung (Kussmaul-Atmung)
- Übelkeit und Erbrechen
- Verwirrtheit oder veränderter mentaler Status
- Bauchschmerzen
- Müdigkeit und Schwäche
- Fruchtiger Atemgeruch (bei DKA)
- Die Symptome hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab
Was zu tun ist: Eine metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke erfordert eine dringende Abklärung. Die klassische Merkhilfe MUDPILES hilft bei den Ursachen: Methanol, Uremie, DKA, Propylenglykol, Isoniazid/Eisen, Laktatazidose, Ethylenglykol, Salicylate. Die sofortige Diagnostik umfasst Blutzucker, Laktat, Ketone (Beta-Hydroxybutyrat), BUN/Kreatinin, Serumosmolalität (zur Berechnung der osmolaren Lücke bei toxischen Alkoholen), Salicylat- und toxische Alkoholspiegel bei Verdacht auf Ingestion sowie arterielle Blutgase. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Insulin bei DKA, Flüssigkeitsresuscitation bei Laktatazidose, Fomepizol bei toxischen Alkoholen und Dialyse bei schwerer Urämie oder Vergiftung.
Was niedrige AG-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Hypoalbuminämie (häufigste Ursache einer niedrigen Anionenlücke)
- Multiples Myelom oder Paraproteinämie (kationische Immunglobuline)
- Lithiumintoxikation
- Hyperkalzämie oder Hypermagnesiämie
- Bromidintoxikation (Laborkreuzreaktion)
- Laborfehler
Mögliche Symptome
- Eine niedrige Anionenlücke selbst verursacht keine Symptome
- Die Symptome hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab
- Hypoalbuminämie kann Ödeme verursachen
- Multiples Myelom kann Knochenschmerzen, Müdigkeit und wiederkehrende Infektionen verursachen
Was zu tun ist: Eine niedrige oder sogar negative Anionenlücke sollte zunächst zur Kontrolle des Serumalbumins führen, da Hypoalbuminämie mit Abstand die häufigste Ursache ist. Jede Abnahme des Albumins um 1 g/dL unter 4,0 senkt die Anionenlücke um etwa 2,5 mEq/L. Ist das Albumin normal, sollte an eine Serumprotein-Elektrophorese zum Ausschluss eines multiplen Myeloms oder anderer Paraproteinämien gedacht werden. Bei Lithiumtherapie sollten die Lithiumspiegel bestimmt werden. Eine unerklärlich sehr niedrige oder negative Anionenlücke erfordert weitere Abklärung.
Wann wird ein AG-Test empfohlen?
- Wenn eine metabolische Azidose vorliegt (niedriges Bikarbonat)
- Bei jeder kritisch kranken Patientin oder jedem kritisch kranken Patienten
- Bei Verdacht auf toxische Ingestion
- Zur Überwachung der Behandlung einer diabetischen Ketoazidose
- Wird automatisch als Teil von Stoffwechselpanels berechnet
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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