AFP

Alpha-Fetoprotein (AFP)

Sonstiges

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Alpha-Fetoprotein (AFP)?

Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein Glykoprotein, das während der embryonalen Entwicklung in großen Mengen von der fetalen Leber und dem Dottersack gebildet wird. Es ist das dominierende Serumprotein des sich entwickelnden Feten und wirkt als Transportmolekül für Bilirubin, Fettsäuren, Steroide und Schwermetalle – ähnlich wie Albumin beim Erwachsenen. Die AFP-Spiegel sind im fetalen Blut sehr hoch, erreichen um die 12.–14. Schwangerschaftswoche ihren Höhepunkt und fallen nach der Geburt stetig ab, bis sie im Alter von etwa 12–18 Monaten normale Erwachsenenwerte erreichen.

In der Erwachsenenmedizin wird AFP vor allem als Tumormarker und Screeningwerkzeug eingesetzt. Es ist erhöht bei hepatozellulärem Karzinom und bei bestimmten Keimzelltumoren, darunter Dottersacktumoren und gemischte Keimzelltumoren. AFP ist ein wichtiger Bestandteil der HCC-Überwachung und wird bei Risikopersonen regelmäßig zusammen mit Leberultraschall gemessen. In der Geburtshilfe ist maternales Serum-AFP Teil pränataler Screeningprogramme.

Warum der Wert wichtig ist

AFP ist einer der klinisch wichtigsten Tumormarker. Das hepatozelluläre Karzinom ist weltweit sehr häufig und mit hoher Sterblichkeit verbunden; ein früh erkannter Tumor ist jedoch deutlich besser behandelbar. Bei Keimzelltumoren hilft AFP bei Diagnose, Stadieneinteilung und Therapiekontrolle. Ein ansteigendes AFP nach Behandlung kann auf Therapieversagen oder ein Rezidiv hinweisen.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene (nicht schwanger)<10ng/mL
Schwangere Frauen (15–20 Wochen)10–150ng/mL
NeugeboreneUp to 100,000ng/mL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe AFP-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
  • Keimzelltumoren (Dottersacktumor, gemischter Keimzelltumor)
  • Hepatoblastom (Leberkrebs im Kindesalter)
  • Chronische Hepatitis (leichte Erhöhung)
  • Zirrhose (leichte bis mäßige Erhöhung)
  • Schwangerschaft (physiologische Erhöhung)
  • Neuralrohrdefekte beim Fetus (erhöhtes maternales AFP)
  • Akute Lebernekrose mit Leberregeneration

Mögliche Symptome

  • Schmerzen oder Druckgefühl im rechten Oberbauch (HCC)
  • Unerklärter Gewichtsverlust und verminderter Appetit
  • Ikterus und Aszites (fortgeschrittene Lebererkrankung)
  • Hodenraumforderung oder -schwellung (Keimzelltumor)
  • Bauchraumforderung bei einem Kind (Hepatoblastom)
  • Frühe Stadien oft symptomlos (Nachweis im Screening)

Was zu tun ist: Ein AFP >400 ng/mL bei einer Person mit Zirrhose und typischer Leberläsion in der Bildgebung ist hochverdächtig auf HCC. Werte zwischen 20 und 400 ng/mL erfordern weitere Bildgebung mittels kontrastverstärkter CT oder MRT. Ein ansteigendes AFP bei jungen Männern sollte an einen Keimzelltumor denken lassen und Hodenultraschall sowie β-hCG- und LDH-Bestimmung auslösen. In der Pränataldiagnostik erfordert ein auffälliges maternales AFP eine weiterführende Ultraschalluntersuchung und gegebenenfalls weitere Diagnostik.

Was niedrige AFP-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Normalbefund bei gesunden nicht schwangeren Erwachsenen
  • Niedriges maternales AFP kann auf eine fetale Chromosomenstörung hinweisen (Down-Syndrom, Trisomie 18)

Mögliche Symptome

  • Keine Symptome durch niedriges AFP bei Erwachsenen

Was zu tun ist: Ein niedriges AFP ist bei nicht schwangeren Erwachsenen normal und erfordert keine Maßnahmen. In der Schwangerschaft kann ein niedriges maternales AFP im Rahmen des Quad-Screens auf ein erhöhtes Risiko für chromosomale Auffälligkeiten hinweisen. Ob weitere Untersuchungen nötig sind, hängt von der Gesamtbewertung des Screenings ab.

Wann wird ein AFP-Test empfohlen?

  • Alle 6 Monate zur HCC-Überwachung bei Patientinnen und Patienten mit Zirrhose
  • Wenn bei einer Person mit chronischer Lebererkrankung eine Leberraumforderung gefunden wird
  • Bei der Abklärung testikulärer oder mediastinaler Keimzelltumoren
  • Als Teil des maternalen Serumscreenings in der Schwangerschaft (15–20 Wochen)
  • Zur Überwachung des Therapieansprechens bei AFP-produzierenden Tumoren
  • Wenn bei einem Kind ein Hepatoblastom vermutet wird

Häufig gestellte Fragen

AFP wird bei Hochrisikopersonen zusammen mit dem Leberultraschall in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Da nicht jedes HCC AFP produziert, reicht AFP allein nicht aus. Ein ansteigender Wert ist jedoch ein Warnsignal und sollte weitere Bildgebung auslösen.
Ein erhöhtes maternales AFP kann auf offene Neuralrohrdefekte wie Spina bifida oder Anenzephalie, auf Bauchwanddefekte, Mehrlingsschwangerschaften oder falsche Schwangerschaftsdatierung hinweisen. Ein auffälliger Wert sollte durch Ultraschall und gegebenenfalls weitere Diagnostik abgeklärt werden.
Ja. AFP kann auch bei nicht malignen Lebererkrankungen wie chronischer Hepatitis, alkoholischer Hepatitis, Zirrhose oder akuter Leberschädigung mit Regeneration erhöht sein. Deshalb sind Verlauf und Höhe der Erhöhung sowie die Bildgebung für die Einordnung entscheidend.
AFP-L3 ist eine spezielle Glykoform von AFP, die bevorzugt von hepatozellulären Karzinomzellen gebildet wird. Sie ist spezifischer für HCC als das Gesamt-AFP und besonders nützlich, wenn das Gesamt-AFP nur grenzwertig erhöht ist.
AFP wird von Dottersacktumorkomponenten und einigen gemischten Keimzelltumoren gebildet. Zusammen mit β-hCG und LDH ist AFP ein wichtiger Marker für Diagnose, Stadieneinteilung und Verlaufskontrolle. Nach erfolgreicher Behandlung sollte der Wert entsprechend seiner biologischen Halbwertszeit wieder abfallen.

Verwandte Biomarker

Quellen- und Prüfungsansatz

Biomarker-Glossarseiten sind erklärende Bildungsinhalte und sollten immer zusammen mit den Referenzbereichen und Kommentaren Ihres Labors sowie Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes interpretiert werden. Mehr zu unseren redaktionellen Standards und unserem Prüfprozess finden Sie in unserer Redaktionsrichtlinie und Prüfprozess für Inhalte.

Möchten Sie Ihre AFP-Werte analysieren lassen?

Laden Sie Ihre Laborwerte hoch und erhalten Sie sofort eine KI-gestützte Einordnung aller Biomarker.

Laborwerte hochladen →

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.