Serotonin
HormoneZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Serotonin?
Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) ist ein Monoamin-Neurotransmitter und Hormon, das aus der Aminosäure Tryptophan gebildet wird. Entgegen der verbreiteten Annahme werden etwa 90–95 % des körpereigenen Serotonins in enterochromaffinen Zellen des Gastrointestinaltrakts und nicht im Gehirn produziert. Darmserotonin reguliert die Darmmotilität, Sekretion und Sensibilität. Die restlichen 5–10 % werden in serotonergen Neuronen der Raphe-Kerne im Hirnstamm synthetisiert, wo es Stimmung, Angst, Schlaf, Appetit, Kognition und Schmerzempfinden moduliert. Thrombozyten produzieren Serotonin nicht selbst, nehmen es aber aktiv aus dem Plasma auf und speichern es in dichten Granula, um es bei Aktivierung freizusetzen und so Vasokonstriktion sowie Thrombozytenaggregation zu fördern.
Klinisch wird die Serotoninmessung im Blut vor allem zum Nachweis von Karzinoidtumoren eingesetzt (neuroendokrine Tumoren, die zu viel Serotonin produzieren). Vollblut-Serotonin spiegelt die Serotoninspeicher der Thrombozyten wider und ist die Standardmessung. Der Serotoninmetabolit 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA), gemessen im 24-Stunden-Urin, ist der bevorzugte Screeningtest auf ein Karzinoidsyndrom, weil er spezifischer ist und weniger durch die Ernährung beeinflusst wird.
Warum der Wert wichtig ist
Die Serotoninmessung ist klinisch vor allem zum Nachweis von Karzinoidtumoren und zur Überwachung des Therapieansprechens beim Karzinoidsyndrom wichtig. Karzinoidtumoren – heute meist als gut differenzierte neuroendokrine Tumoren klassifiziert – wachsen oft langsam, können aber metastasieren, insbesondere in die Leber, wo sie das Karzinoidsyndrom verursachen (Flush, Durchfall, Giemen und rechtsseitige Herzklappenerkrankung). Die frühzeitige Erkennung durch Serotonin-/5-HIAA-Messung ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung. Trotz seiner Rolle bei der Stimmungsregulation wird Serotonin nicht zur Diagnose psychiatrischer Erkrankungen wie Depressionen verwendet, weil periphere Werte kein Abbild des Serotonins im Gehirn sind.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Vollblut-Serotonin | ≤330 | ng/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe 5-HT-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Karzinoidtumoren (neuroendokrine Tumoren des GI-Trakts, der Lunge oder anderer Lokalisationen)
- Karzinoidsyndrom (metastasiertes Karzinoid, insbesondere bei Lebermetastasen)
- Medikamente: SSRI, MAO-Hemmer, Tryptophanpräparate
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom (gelegentlich)
- Dünndarmobstruktion
Mögliche Symptome
- Anfallsartiger Flush (Gesicht und Oberkörper)
- Starker wässriger Durchfall
- Bronchospasmus und Giemen
- Rechtsseitige Herzklappenerkrankung (Karzinoid-Herzerkrankung)
- Bauchschmerzen und Krämpfe
- Teleangiektasien (spinnenartige Blutgefäße)
- Pellagra-ähnliche Symptome (Niacinmangel durch Tryptophanumleitung)
Was zu tun ist: Erhöhtes Vollblut-Serotonin oder erhöhtes 5-HIAA im Urin sollte zur Abklärung eines Karzinoidtumors führen. Medikamentöse Störfaktoren sollten überprüft werden; Ernährungseinschränkungen sind vor allem für Urin-5-HIAA relevant und weniger für Vollblut-Serotonin. Zur Bestätigung dient ein 24-Stunden-Urin auf 5-HIAA unter Einhaltung diätetischer Einschränkungen für 3 Tage vor der Sammlung. Chromogranin A ist ein ergänzender Tumormarker. Zur Bildgebung gehören CT/MRT zur Tumorlokalisation und eine Somatostatinrezeptor-Szintigrafie (OctreoScan) oder 68Ga-DOTATATE-PET/CT. Die Behandlung umfasst, wenn möglich, die operative Resektion, Somatostatinanaloga (Octreotid, Lanreotid) zur Symptomkontrolle und Tumorstabilisierung sowie eine Echokardiografie zur Beurteilung einer Karzinoid-Herzerkrankung.
Was niedrige 5-HT-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Karzinoidtumor nach erfolgreicher Behandlung
- Behandlung einer Mastozytose
- Bestimmte Medikamente (Reserpin)
- Phenylketonurie (PKU)
- Tryptophanarme Ernährung
- Down-Syndrom (vermindertes Thrombozyten-Serotonin)
Mögliche Symptome
- Niedriges peripheres Serotonin verursacht selten Symptome
- Zentraler Serotoninmangel (peripher nicht messbar) ist mit Depression, Angst und Schlafstörungen assoziiert
- Verminderte Thrombozytenaggregation (theoretisch)
Was zu tun ist: Niedriges peripheres Serotonin ist ungewöhnlich und für sich genommen meist klinisch nicht bedeutsam. Wenn es nach der Behandlung eines Karzinoidtumors gemessen wird, deuten niedrige oder sich normalisierende Serotonin-/5-HIAA-Werte auf ein Therapieansprechen hin. Niedriges Serotonin sollte nicht zur Diagnose von Depressionen oder Angststörungen verwendet werden – peripheres Serotonin spiegelt das Serotonin im Gehirn nicht wider. Bei Stimmungs- oder psychiatrischen Symptomen ist eine Abklärung durch eine Fachperson für psychische Gesundheit sinnvoll; Therapieentscheidungen beruhen auf der klinischen Beurteilung und nicht auf Blut-Serotoninwerten.
Wann wird ein 5-HT-Test empfohlen?
- Bei Verdacht auf ein Karzinoidsyndrom (Flush, Durchfall, Giemen)
- Wenn in Bildgebung oder Biopsie ein neuroendokriner Tumor gefunden wurde
- Zur Überwachung des Therapieansprechens bei bekanntem Karzinoidtumor
- Bei der Abklärung einer unklaren rechtsseitigen Herzklappenerkrankung
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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