Melatonin
HormoneZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Melatonin?
Melatonin (N-Acetyl-5-methoxytryptamin) ist ein Neurohormon, das vor allem in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet wird; kleinere Mengen werden auch in der Retina, im Darm, im Knochenmark und in Immunzellen synthetisiert. Melatonin ist das wichtigste Chronobiotikum des Körpers – das Hormon, das den zirkadianen Rhythmus synchronisiert und jeder Zelle Dunkelheit signalisiert. Seine Synthese folgt einem strikten Hell-Dunkel-Zyklus: Die Produktion beginnt am Abend, wenn das Licht abnimmt (Dim Light Melatonin Onset, DLMO), erreicht zwischen 2 und 4 Uhr morgens ihren Höhepunkt und fällt tagsüber auf nahezu nicht nachweisbare Werte ab. Lichtexposition – insbesondere blaues Licht (460–480 nm) – unterdrückt die Melatoninproduktion stark.
Melatonin wird aus Serotonin in zwei enzymatischen Schritten gebildet: Zunächst wird Serotonin durch die Arylalkylamin-N-Acetyltransferase (AANAT) acetyliert, anschließend durch die Hydroxyindol-O-Methyltransferase (HIOMT) methyliert. Über die Schlafregulation hinaus besitzt Melatonin starke antioxidative Eigenschaften, moduliert die Immunfunktion, beeinflusst bei manchen Spezies die saisonale Fortpflanzung und spielt eine Rolle bei der Thermoregulation und Blutdruckregulation. Klinisch ist die Messung von Melatonin besonders nützlich zur Charakterisierung zirkadianer Rhythmusstörungen.
Warum der Wert wichtig ist
Melatonin ist der zuverlässigste Biomarker der zirkadianen Phase – der Dim Light Melatonin Onset (DLMO) gilt als Goldstandard zur Bestimmung des Zeitpunkts der inneren biologischen Uhr einer Person. Diese Information ist entscheidend für die Diagnose und Behandlung zirkadianer Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen (verzögerte Schlaf-Wach-Phasenstörung, vorverlagerte Schlaf-Wach-Phasenstörung, Non-24-Störung bei blinden Menschen und Schichtarbeitsstörung). Eine gute zirkadiane Ausrichtung beeinflusst nicht nur die Schlafqualität, sondern auch Stoffwechselgesundheit, Herz-Kreislauf-Funktion, Stimmung und Immunkompetenz. Exogenes Melatonin wird häufig als Schlafhilfe und Chronobiotikum eingesetzt.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Tagsüber | <10 | pg/mL |
| Nächtlicher Gipfel (2–4 Uhr) | 60–200 | pg/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe MT-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Normale nächtliche Physiologie
- Exogene Melatonin-Supplementierung
- Tumoren der Zirbeldrüse (Pinealom – extrem selten)
- Verzögerte Schlaf-Wach-Phasenstörung (hohes Melatonin zur üblichen Schlafenszeit aufgrund einer verzögerten Phase)
- Betablocker (hemmen den Melatoninabbau)
- Verminderte hepatische Clearance (Lebererkrankung)
Mögliche Symptome
- Ausgeprägte Tagesschläfrigkeit (wenn Melatonin während der Wachphase erhöht ist)
- Müdigkeit und Lethargie
- Schwierigkeiten beim morgendlichen Aufwachen
- Hypothermie (Melatonin senkt die Körperkerntemperatur)
- Niedergeschlagene Stimmung (saisonaler Zusammenhang)
- Meist symptomlos, wenn die nächtliche Erhöhung physiologisch ist
Was zu tun ist: Erhöhtes Melatonin am Tag ist ungewöhnlich und meist auf Supplemente oder eine deutlich verzögerte zirkadiane Phase zurückzuführen. Wenn Melatoninpräparate eingenommen werden, kann eine Dosisreduktion oder Anpassung des Einnahmezeitpunkts nötig sein – viele frei verkäufliche Präparate enthalten Dosen (3–10 mg), die die physiologische Produktion (~0,3 mg) weit übersteigen. Bei Verdacht auf eine verzögerte Schlaf-Wach-Phasenstörung können DLMO-Messung und Aktigraphie die Diagnose bestätigen; die Behandlung umfasst gezielte morgendliche Lichtexposition und niedrig dosiertes Melatonin (0,5 mg) 5–7 Stunden vor dem gewünschten Schlafbeginn. Zirbeldrüsentumoren sind extrem selten und würden meist mit weiteren neurologischen Symptomen einhergehen.
Was niedrige MT-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Alterung (die Melatoninproduktion nimmt mit dem Alter deutlich ab)
- Übermäßige nächtliche Lichtexposition (blaues Licht von Bildschirmen)
- Schichtarbeit und unregelmäßige Schlafzeiten
- Verkalkung der Zirbeldrüse
- Beta-adrenerge Agonisten
- Vorverlagerte Schlaf-Wach-Phasenstörung
- Neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson)
- Chirurgische Pinealektomie
Mögliche Symptome
- Insomnie oder Einschlafschwierigkeiten
- Nicht erholsamer Schlaf
- Gestörte zirkadiane Rhythmen
- Erhöhte Anfälligkeit für Jetlag
- Vermehrtes nächtliches Wachsein bei älteren Menschen
Was zu tun ist: Niedriges Melatonin ist am häufigsten eine Folge des Alterns oder übermäßiger künstlicher Lichtexposition in der Nacht. Nichtmedikamentöse Maßnahmen umfassen weniger Bildschirmzeit am Abend oder die Nutzung von Blaulichtfilter-Brillen, einen konsistenten Schlaf-Wach-Rhythmus, helles Licht am Morgen und Schlafen in einer dunklen Umgebung. Niedrig dosiertes Melatonin (0,3–1 mg), 1–2 Stunden vor der gewünschten Schlafenszeit eingenommen, kann bei Einschlafstörungen älterer Menschen wirksam sein. Bei zirkadianen Rhythmusstörungen ist der Zeitpunkt der Einnahme in Bezug auf die zirkadiane Phase wichtiger als die Dosis. Retardpräparate können bei Durchschlafstörungen hilfreich sein.
Wann wird ein MT-Test empfohlen?
- Bei der Abklärung zirkadianer Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen
- Bei der Diagnose eines verzögerten oder vorverlagerten Schlafphasensyndroms
- Bei der Beurteilung von Schlafstörungen bei blinden Menschen (Non-24-Störung)
- Bei der Abklärung von Schichtarbeitenden mit anhaltenden Schlafbeschwerden
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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