fCal

Calprotectin

Magen-Darm

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Calprotectin?

Calprotectin ist ein Calcium- und Zink-bindendes Protein, das bei intestinalen Entzündungen vor allem von Neutrophilen (einer Art weißer Blutkörperchen) freigesetzt wird. Wenn die Darmwand entzündet ist, wandern Neutrophile in die Darmwand ein und setzen Calprotectin in das Darmlumen frei, wo es in Stuhlproben gemessen werden kann. Fäkales Calprotectin ist bemerkenswert stabil – es widersteht dem Abbau durch Darmbakterien und Enzyme und bleibt in Stuhlproben bei Raumtemperatur bis zu 7 Tage stabil, was es zu einem praktischen und zuverlässigen Biomarker macht.

Fäkales Calprotectin ist zu einem der wertvollsten nichtinvasiven Tests in der Gastroenterologie geworden. Sein wichtigster klinischer Nutzen liegt in der Unterscheidung zwischen entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – und dem Reizdarmsyndrom (IBS) sowie anderen funktionellen gastrointestinalen Störungen. Die Calprotectin-Werte korrelieren eng mit dem Ausmaß der intestinalen Entzündung, wie sie endoskopisch und histologisch beurteilt wird, und sind dadurch sowohl für die Diagnostik als auch für die laufende Überwachung der Krankheitsaktivität wertvoll. Der Test ist besonders hilfreich, um unnötige Koloskopien bei Patientinnen und Patienten mit gastrointestinalen Beschwerden zu vermeiden.

Warum der Wert wichtig ist

Fäkales Calprotectin ist ein hochsensitiver und spezifischer Marker für Darmentzündungen, der organische Darmerkrankungen ohne invasive Verfahren von funktionellen Störungen unterscheiden kann. In der klinischen Praxis schließt ein normaler Calprotectinwert bei einer Person mit chronischen Bauchbeschwerden eine IBD mit einem negativen prädiktiven Wert von über 95 % effektiv aus und kann damit unnötige Koloskopien vermeiden. Bei Patientinnen und Patienten mit bekannter IBD erkennen serielle Calprotectinmessungen subklinische Entzündungen und sagen einen Rückfall Wochen vor dem Auftreten von Symptomen voraus, sodass die Behandlung frühzeitig angepasst werden kann. Dieser Überwachungsansatz verbessert nachweislich die Ergebnisse und verringert Krankenhausaufenthalte bei IBD.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene<50mcg/g
Grenzbereich50–200mcg/g
Erhöht (Entzündung wahrscheinlich)>200mcg/g
Säuglinge (<1 Jahr)Höherer Ausgangswert, bis 500mcg/g

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe fCal-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Infektiöse Gastroenteritis (bakteriell, viral)
  • Kolorektalkarzinom
  • NSAID-induzierte Enteropathie
  • Divertikulitis
  • Zöliakie (mäßig erhöht)
  • Darmpolypen
  • Mikroskopische Kolitis

Mögliche Symptome

  • Chronischer Durchfall (bei IBD oft blutig)
  • Bauchschmerzen und Krämpfe
  • Dringender Stuhldrang und erhöhte Stuhlfrequenz
  • Müdigkeit und Krankheitsgefühl
  • Gewichtsverlust
  • Fieber (bei akuten Schüben oder Infektion)
  • Kann bei subklinischer Entzündung symptomlos sein

Was zu tun ist: Ein erhöhtes fäkales Calprotectin sollte weiter abgeklärt werden. Werte über 200 mcg/g sprechen stark für eine organische entzündliche Erkrankung und führen typischerweise zu einer Koloskopie mit Biopsien. Bei Patientinnen und Patienten mit bekannter IBD signalisiert ansteigendes Calprotectin aktive Entzündung oder einen bevorstehenden Rückfall – Ihre Gastroenterologin oder Ihr Gastroenterologe kann die immunsuppressive Therapie entsprechend anpassen. Schließen Sie infektiöse Ursachen durch Stuhlkulturen und C.-difficile-Testung aus. NSAIDs sollten vor einer erneuten Messung abgesetzt werden, da sie Calprotectin unabhängig erhöhen können.

Was niedrige fCal-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Normalbefund – spricht gegen eine relevante intestinale Entzündung
  • Reizdarmsyndrom (IBS) – Calprotectin typischerweise normal
  • Funktionelle gastrointestinale Störungen
  • IBD in Remission

Mögliche Symptome

  • Keine auf niedriges Calprotectin zurückzuführenden Symptome – dies ist das erwartete gesunde Ergebnis

Was zu tun ist: Ein niedriger fäkaler Calprotectinwert ist beruhigend und schließt eine relevante entzündliche Darmerkrankung mit hoher Sicherheit weitgehend aus. Wenn Magen-Darm-Beschwerden trotz normalem Calprotectin anhalten, ist eine Abklärung funktioneller Störungen wie IBS, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Zöliakie (über Serologie) sinnvoll. Bei IBD-Patientinnen und -Patienten bestätigt ein niedriger Wert eine mukosale Heilung und spricht für eine ausreichende aktuelle Therapie.

Wann wird ein fCal-Test empfohlen?

  • Zur Unterscheidung zwischen IBD und IBS bei Patientinnen und Patienten mit chronischen GI-Beschwerden
  • Zur Überwachung der Krankheitsaktivität bei bekannter IBD
  • Zur Vorhersage eines Rückfalls bei IBD in klinischer Remission
  • Zur Beurteilung des Ansprechens auf eine IBD-Therapie
  • Vor der Entscheidung für eine Koloskopie bei Patientinnen und Patienten ohne Warnsymptome
  • Wenn eine infektiöse Gastroenteritis vermutet wird

Häufig gestellte Fragen

Fäkales Calprotectin ist ein sehr guter Screening-Test, ersetzt aber keine Koloskopie zur definitiven Diagnose. Ein normaler Calprotectinwert (<50 mcg/g) kann eine IBD zuverlässig ausschließen und dadurch unnötige Koloskopien vermeiden. Erhöhte Werte erfordern jedoch eine endoskopische Abklärung, um die genaue Diagnose, das Ausmaß der Erkrankung und die Behandlung festzulegen. Bei bereits bekannter IBD ist Calprotectin für die laufende Überwachung zwischen Endoskopien äußerst wertvoll und kann die Zahl invasiver Untersuchungen verringern, ohne die enge Krankheitskontrolle zu beeinträchtigen.
Gesunde Säuglinge, besonders unter 12 Monaten, haben normalerweise deutlich höhere fäkale Calprotectinwerte als Erwachsene – manchmal über 500 mcg/g. Das liegt am unreifen intestinalen Immunsystem, einer erhöhten Darmpermeabilität und der normalen bakteriellen Besiedlung des Darms in der frühen Lebensphase. Wegen dieser physiologischen Erhöhung können Referenzbereiche für Erwachsene nicht auf Säuglinge übertragen werden, und die diagnostische Aussagekraft des Tests ist bei sehr kleinen Kindern eingeschränkt. Die Werte sinken im Verlauf allmählich und nähern sich etwa mit 4–5 Jahren den Erwachsenenbereichen an.
Fäkales Calprotectin ist deutlich spezifischer für Darmentzündungen als C-reaktives Protein (CRP). CRP ist ein systemischer Entzündungsmarker und kann durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Traumata oder Entzündungen irgendwo im Körper erhöht sein. Calprotectin wird direkt von Neutrophilen in der Darmwand freigesetzt und ist daher ein darmspezifischer Marker. Studien zeigen für Calprotectin eine Sensitivität von 93–100 % bei IBD gegenüber 50–70 % für CRP. Calprotectin korreliert außerdem enger mit der endoskopischen Krankheitsaktivität und kann Schleimhautentzündungen auch dann nachweisen, wenn CRP normal ist.

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Quellen- und Prüfungsansatz

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.