BUN

Blut-Harnstoff-Stickstoff

Stoffwechselpanel

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Blut-Harnstoff-Stickstoff?

Blood Urea Nitrogen (BUN) misst die Menge an Stickstoff im Blut, die aus dem Abfallprodukt Harnstoff stammt. Harnstoff wird in der Leber gebildet, wenn Proteine in Aminosäuren zerlegt und anschließend desaminiert werden. Die Leber wandelt das giftige Ammoniak über den Harnstoffzyklus in Harnstoff um, und die Nieren filtern den Harnstoff dann aus dem Blut und scheiden ihn über den Urin aus.

BUN ist ein Standardbestandteil des kleinen und großen Stoffwechselpanels. Obwohl der Wert die Nierenfunktion widerspiegelt, ist er weniger spezifisch als Kreatinin, da er auch von Proteinzufuhr, Leberfunktion, Hydratationsstatus und verschiedenen nicht-renalen Faktoren beeinflusst wird. Das BUN-Kreatinin-Verhältnis ist ein nützliches diagnostisches Werkzeug: Ein Verhältnis über 20:1 spricht für Dehydrierung, obere GI-Blutung oder gesteigerten Proteinabbau, während ein niedriges Verhältnis auf Lebererkrankung oder geringe Proteinzufuhr hinweisen kann. BUN und Kreatinin zusammen ermöglichen eine vollständigere Beurteilung der Nierenfunktion als jeder Wert für sich allein.

Warum der Wert wichtig ist

BUN hilft bei der Beurteilung der Nierenfunktion und des Gleichgewichts zwischen Proteinstoffwechsel und renaler Ausscheidung. Erhöhtes BUN kann auf Nierenerkrankung, Dehydrierung, proteinreiche Ernährung, GI-Blutung oder Herzinsuffizienz hinweisen. Niedriges BUN kann für Lebererkrankung oder Mangelernährung sprechen. Zusammen mit Kreatinin hilft das BUN-Kreatinin-Verhältnis dabei, prärenale Ursachen (Dehydrierung, Herzinsuffizienz), intrinsische Nierenerkrankungen und postrenale Obstruktionen zu unterscheiden. Damit ist BUN ein wertvoller Screening- und Diagnoseparameter.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene7–20mg/dL
Kinder5–18mg/dL
Ältere (>60)8–23mg/dL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe BUN-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Dehydrierung
  • Nierenerkrankung (akut oder chronisch)
  • Herzinsuffizienz (verminderte Nierendurchblutung)
  • Obere GI-Blutung (verdautes Blut erhöht die Proteinlast)
  • Proteinreiche Ernährung
  • Schwere Verbrennungen oder Trauma (erhöhter Proteinabbau)
  • Medikamente (Kortikosteroide, Tetrazykline)
  • Harnabflussstörung

Mögliche Symptome

  • Müdigkeit und Schwäche
  • Verminderte Urinmenge
  • Schwellungen an den Extremitäten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verwirrtheit oder Veränderungen des mentalen Status
  • Muskelkrämpfe
  • Juckende Haut

Was zu tun ist: Erhöhtes BUN sollte gemeinsam mit Kreatinin und dem BUN/Kreatinin-Verhältnis beurteilt werden. Ein im Verhältnis zu Kreatinin überproportional erhöhtes BUN spricht für prärenale Ursachen wie Dehydrierung oder GI-Blutung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Rehydrierung bei Dehydrierung, Therapie der Herzinsuffizienz, Behandlung einer GI-Blutung oder Management der Nierenerkrankung. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung kann die Proteinzufuhr begrenzt werden müssen.

Was niedrige BUN-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Schwere Lebererkrankung (gestörte Harnstoffsynthese)
  • Eiweißarme Ernährung oder Mangelernährung
  • Überwässerung
  • Schwangerschaft (erhöhtes Plasmavolumen und gesteigerte Nierenfiltration)
  • SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion)

Mögliche Symptome

  • Symptome einer zugrunde liegenden Lebererkrankung (Gelbsucht, Verwirrtheit)
  • Müdigkeit bei Mangelernährung
  • Muskelschwund
  • Niedriges BUN selbst verursacht normalerweise keine Symptome

Was zu tun ist: Niedriges BUN ist klinisch meist weniger dringlich als ein hohes, sollte aber Anlass sein, Leberfunktion und Ernährungszustand zu prüfen. Leberwerte, Albumin und Gesamtprotein können die Lebergesundheit beurteilen helfen. Bei Mangelernährung können Ernährungsdiagnostik und Ernährungstherapie sinnvoll sein. In der Schwangerschaft ist ein niedriges BUN physiologisch normal.

Wann wird ein BUN-Test empfohlen?

  • Im Rahmen eines routinemäßigen Stoffwechselpanels
  • Bei Abklärung der Nierenfunktion
  • Bei Symptomen einer Dehydrierung
  • Zur Überwachung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz
  • Bei Beurteilung des Ernährungsstatus
  • Vor und während einer Behandlung mit nephrotoxischen Medikamenten

Häufig gestellte Fragen

Das BUN-Kreatinin-Verhältnis wird berechnet, indem der BUN-Wert durch den Kreatininwert geteilt wird. Ein normales Verhältnis liegt zwischen 10:1 und 20:1. Ein Verhältnis über 20:1 spricht für prärenale Azotämie – also Zustände, die den Blutfluss zu den Nieren vermindern, etwa Dehydrierung, Herzinsuffizienz oder GI-Blutung, bei der verdautes Blutprotein das BUN anhebt. Ein Verhältnis unter 10:1 kann auf Lebererkrankung (weniger Harnstoffproduktion), geringe Proteinzufuhr oder Rhabdomyolyse (unverhältnismäßig hohes Kreatinin) hinweisen. Dieses Verhältnis hilft Ärztinnen und Ärzten, verschiedene Ursachen eines erhöhten BUN zu unterscheiden.
Ja, die Proteinzufuhr beeinflusst den BUN-Wert direkt. Eine eiweißreiche Ernährung (viel Fleisch, Fisch, Milchprodukte) steigert den Aminosäurestoffwechsel und die Harnstoffbildung und kann BUN um mehrere mg/dL erhöhen. Umgekehrt kann eine sehr eiweißarme oder vegane Ernährung BUN senken. Dieser Ernährungseinfluss ist einer der Gründe, warum BUN weniger spezifisch für die Nierenfunktion ist als Kreatinin. Für möglichst aussagekräftige Ergebnisse sollten Sie vor dem Test Ihre übliche Ernährung beibehalten.
Sowohl BUN als auch Kreatinin werden von den Nieren filtriert, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten. Die Kreatininproduktion ist relativ konstant und hängt vor allem von der Muskelmasse ab, was Kreatinin zu einem spezifischeren Nierenmarker macht. BUN wird von vielen nicht-renalen Faktoren beeinflusst: Proteinzufuhr, Leberfunktion, Hydratationsstatus, GI-Blutung und Katabolismus. Außerdem werden bis zu 50 % des filtrierten Harnstoffs in den Nieren wieder rückresorbiert – besonders bei Dehydrierung –, während Kreatinin nicht wesentlich rückresorbiert wird. Deshalb werden Kreatinin und eGFR bevorzugt zur Abschätzung der Nierenfunktion genutzt, während BUN zusätzlichen Kontext zu Hydratation und Proteinstoffwechsel liefert.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.