Aldo

Aldosteron

Hormone

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Aldosteron?

Aldosteron ist ein Steroidhormon, das in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet wird. Es ist das wichtigste Mineralokortikoid des Körpers und reguliert vor allem den Natrium- und Kaliumhaushalt und damit indirekt Blutvolumen und Blutdruck. Aldosteron wirkt in den distalen Tubuli und Sammelrohren der Niere, fördert die Rückresorption von Natrium – wodurch Wasser mitgezogen wird und das Blutvolumen steigt – und die Ausscheidung von Kalium. Dieser Mechanismus ist essenziell für Elektrolythomöostase und hämodynamische Stabilität.

Die Aldosteronsekretion wird primär durch das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) gesteuert. Sinkt der Blutdruck oder der Natriumspiegel, setzen die Nieren Renin frei, das Angiotensinogen zu Angiotensin I umwandelt; dieses wird durch ACE in Angiotensin II überführt. Angiotensin II stimuliert die Aldosteronfreisetzung. Auch der Kaliumspiegel reguliert Aldosteron direkt – schon kleine Anstiege des Serumkaliums fördern die Sekretion, um die Kaliumausscheidung zu erhöhen. ACTH aus der Hypophyse spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das Aldosteron-Renin-Verhältnis (ARR) ist der wichtigste Screeningtest auf primären Hyperaldosteronismus, eine der häufigsten und gleichzeitig oft übersehenen Ursachen sekundärer Hypertonie.

Warum der Wert wichtig ist

Der primäre Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) gilt heute als Ursache von 5–15 % aller Hypertoniefälle und von bis zu 20 % der therapieresistenten Hypertonien. Früher wurde er für selten gehalten, doch durch besseres Screening zeigte sich, dass er deutlich häufiger ist als angenommen. Menschen mit primärem Hyperaldosteronismus haben – auch bei vergleichbaren Blutdruckwerten – ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz als Personen mit essenzieller Hypertonie, weil Aldosteron zusätzlich direkte Schäden an Herz, Gefäßen und Nieren verursacht. Ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln kann Bluthochdruck heilen oder deutlich bessern und das kardiovaskuläre Risiko senken.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene sitzend/aufrecht7–30ng/dL
Erwachsene liegend3–16ng/dL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe Aldo-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Primärer Hyperaldosteronismus (aldosteronproduzierendes Nebennierenadenom oder bilaterale Nebennierenhyperplasie)
  • Sekundärer Hyperaldosteronismus (Nierenarterienstenose, Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom)
  • Dehydratation oder Volumenmangel
  • Kaliumreiche Ernährung
  • Reninproduzierende Tumoren (selten)
  • Schwangerschaft (physiologisch erhöht)

Mögliche Symptome

  • Hoher Blutdruck, oft resistent gegen Standardmedikamente
  • Niedriges Kalium (Hypokaliämie) mit Muskelschwäche und Krämpfen
  • Häufiges Wasserlassen, besonders nachts (Nykturie)
  • Starker Durst
  • Müdigkeit und Muskelschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Metabolische Alkalose
  • Herzklopfen (durch Hypokaliämie)

Was zu tun ist: Erhöhtes Aldosteron sollte mit dem Aldosteron-Renin-Verhältnis (ARR) weiter abgeklärt werden. Beim primären Hyperaldosteronismus ist Aldosteron erhöht und Renin supprimiert (ARR >30 bei Aldosteron >15 ng/dL). Bestätigungstests wie orale Salzbelastung, Kochsalzinfusion oder Fludrocortison-Suppression sind empfohlen. Eine Nebennieren-CT dient zur Unterscheidung von Adenom und bilateraler Hyperplasie; wenn eine Operation erwogen wird, folgt meist ein Nebennierenvenensampling, da die CT kleine Adenome übersehen oder Inzidentalome zeigen kann. Einseitige aldosteronproduzierende Adenome werden am besten laparoskopisch entfernt und sind oft heilbar; bilaterale Hyperplasien werden medikamentös mit Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon behandelt.

Was niedrige Aldo-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Primäre Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison)
  • Isolierter Hypoaldosteronismus (hyporeninämischer Hypoaldosteronismus, häufig bei diabetischer Nephropathie)
  • ACE-Hemmer- oder ARB-Therapie (angemessen supprimiert)
  • Hohe Natriumzufuhr
  • Angeborene Nebennierenhyperplasie (bestimmte Formen)
  • Therapie mit Heparin oder niedermolekularem Heparin

Mögliche Symptome

  • Niedriger Blutdruck (orthostatische Hypotonie)
  • Hohes Kalium (Hyperkaliämie)
  • Dehydratation und Salzverlangen
  • Müdigkeit und Schwäche
  • Schwindel beim Aufstehen
  • Übelkeit
  • Herzrhythmusstörungen (durch Hyperkaliämie)

Was zu tun ist: Niedriges Aldosteron bei Hyperkaliämie sollte zusammen mit Renin beurteilt werden, um zwischen einer primären Störung (Nebennieren – niedriges Aldosteron bei hohem Renin, wie bei Morbus Addison) und einem hyporeninämischen Zustand (niedriges Renin und niedriges Aldosteron, häufig bei Diabetes mit leichter Nierenerkrankung) zu unterscheiden. Morbus Addison erfordert neben Glukokortikoiden auch eine Mineralokortikoid-Substitution mit Fludrocortison. Ein hyporeninämischer Hypoaldosteronismus mit milder Hyperkaliämie kann durch kaliumarme Ernährung und niedrig dosiertes Fludrocortison behandelt werden. Medikamentöse Ursachen wie Heparin, NSAR oder kaliumsparende Diuretika sollten überprüft und wenn möglich angepasst werden.

Wann wird ein Aldo-Test empfohlen?

  • Bei Hypertonie, die trotz drei oder mehr Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert ist
  • Wenn Hypertonie mit ungeklärter Hypokaliämie einhergeht
  • Wenn Hypertonie vor dem 30. Lebensjahr auftritt oder zu Beginn schwer ausgeprägt ist
  • Wenn in der Bildgebung ein Nebenniereninzidentalom gefunden wurde

Häufig gestellte Fragen

Das ARR ist der wichtigste Screeningtest auf primären Hyperaldosteronismus. Es wird berechnet, indem die Plasma-Aldosteronkonzentration (ng/dL) durch die Plasma-Renin-Aktivität (ng/mL/h) oder die direkte Reninkonzentration geteilt wird. Ein ARR über 30 bei gleichzeitigem Aldosteronwert über 15 ng/dL gilt als positives Screening. Das Verhältnis ist wichtig, weil Aldosteron oder Renin allein irreführend sein können – Aldosteron kann beim primären Hyperaldosteronismus nur mäßig erhöht sein, und Renin kann auch aus anderen Gründen niedrig sein. Das ARR erfasst die unangemessene Beziehung zwischen beiden Werten. Für eine verlässliche Messung sollten Medikamente, die das RAAS beeinflussen (Betablocker, ACE-Hemmer, ARB, Diuretika), wenn möglich und unter ärztlicher Anleitung pausiert oder ersetzt werden.
Historisch wurde primärer Hyperaldosteronismus als selten angesehen, weil nur Menschen mit Hypertonie plus niedrigem Kalium untersucht wurden. Inzwischen zeigen Studien jedoch, dass die meisten Betroffenen – etwa 60–70 % – normales Kalium haben; Hypokaliämie ist eher ein Spätzeichen. Die Leitlinien der Endocrine Society empfehlen heute ein Screening bei allen Personen mit therapieresistenter Hypertonie, mittelgradiger bis schwerer Hypertonie, Hypertonie mit Hypokaliämie, Hypertonie mit Nebenniereninzidentalom und Hypertonie mit frühem Beginn. Trotz dieser Empfehlungen werden schätzungsweise weniger als 2 % der geeigneten Patientinnen und Patienten tatsächlich gescreent. Mehr Bewusstsein und häufigeres Screening könnten Millionen Menschen mit einer behandelbaren, teils heilbaren Hypertonieursache identifizieren.
Viele häufig verwendete Medikamente beeinflussen Aldosteron- und Reninmessungen und können dadurch falsch positive oder falsch negative Ergebnisse verursachen. Betablocker senken Renin und können das ARR fälschlich erhöhen. ACE-Hemmer, ARB und direkte Reninhemmer erhöhen Renin und können das ARR fälschlich erniedrigen, wodurch ein primärer Hyperaldosteronismus maskiert wird. Diuretika – insbesondere Spironolacton und Eplerenon – beeinflussen die Ergebnisse stark und sollten möglichst 4–6 Wochen vor dem Test abgesetzt werden. Ideal ist eine Umstellung auf Medikamente mit geringem RAAS-Einfluss, etwa Verapamil, Hydralazin oder Doxazosin. Außerdem sollte Kalium vor dem Test normalisiert werden, da Hypokaliämie die Aldosteronsekretion unterdrückt. Medikamentenanpassungen sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.