Tg

Thyreoglobulin

Immunsystem & Entzündung

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Thyreoglobulin?

Thyreoglobulin (Tg) ist ein großes Glykoprotein, das ausschließlich von Schilddrüsenfollikelzellen gebildet wird. Es dient als Gerüst für die Synthese von Schilddrüsenhormonen: Jod wird an Tyrosinreste auf dem Thyreoglobulinmolekül gebunden und anschließend zur Bildung von Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) gekoppelt. Thyreoglobulin wird im Kolloid der Schilddrüsenfollikel gespeichert und bei Bedarf wieder in die Follikelzellen aufgenommen, proteolytisch gespalten und als T3 und T4 in den Blutkreislauf abgegeben.

Klinisch ist Thyreoglobulin vor allem als Tumormarker bei differenziertem Schilddrüsenkarzinom (papillär und follikulär) nach Thyreoidektomie und Radiojodablation wichtig. Da es nur von Schilddrüsengewebe produziert wird, sollte es nach vollständiger Entfernung der Schilddrüse nicht nachweisbar oder sehr niedrig sein. Ein messbarer oder ansteigender Thyreoglobulinwert nach der Behandlung spricht für verbleibendes oder rezidivierendes Schilddrüsengewebe beziehungsweise Tumorgewebe.

Warum der Wert wichtig ist

Thyreoglobulin ist der wichtigste Verlaufsmarker für ein Wiederauftreten differenzierter Schilddrüsenkarzinome nach der Behandlung. Schilddrüsenkrebs ist bei früher Diagnose sehr gut behandelbar, und die Langzeitüberwachung mit Thyreoglobulin ermöglicht oft die Erkennung eines Rezidivs, bevor es bildgebend sichtbar wird. Wichtig ist, dass Thyreoglobulin-Antikörper immer mitbestimmt werden, weil sie die Messung verfälschen und falsch niedrige Werte verursachen können.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene (mit intakter Schilddrüse)1.5–38.5ng/mL
Nach totaler Thyreoidektomie<0.2ng/mL
Nach Thyreoidektomie + AblationNicht nachweisbarng/mL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe Tg-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Differenziertes Schilddrüsenkarzinom (papillär, follikulär)
  • Rezidiv eines Schilddrüsenkarzinoms nach Behandlung
  • Morbus Basedow und toxische Knotenstruma
  • Subakute Thyreoiditis (durch Zerstörung des Schilddrüsengewebes wird gespeichertes Tg freigesetzt)
  • Endemische Struma (Jodmangel)
  • Nicht-toxische multinodöse Struma
  • Schilddrüsenverletzung oder Biopsie

Mögliche Symptome

  • Halsknoten oder Schwellung (bei Schilddrüsenkrebs oder Struma)
  • Vergrößerte zervikale Lymphknoten
  • Heiserkeit (Beteiligung des Nervus recurrens)
  • Schluckbeschwerden
  • Hyperthyreose-Symptome bei funktioneller Schilddrüsenerkrankung
  • Oft symptomlos (Nachweis im Verlaufslabor)

Was zu tun ist: In der Nachsorge nach Thyreoidektomie ist ein steigender Thyreoglobulinwert – selbst aus einem zunächst nicht nachweisbaren Bereich – ein Anlass für Halsultraschall und gegebenenfalls einen diagnostischen Radiojod-Ganzkörperscan. Ein stimulierter Thyreoglobulintest nach TSH-Stimulation erhöht die Empfindlichkeit für kleine Rezidive. Wird strukturelle Erkrankung nachgewiesen, kommen je nach Befund Reoperation, Radiojodtherapie oder externe Bestrahlung infrage. Bei intakter Schilddrüse muss ein erhöhter Wert im Kontext von Struma, Thyreoiditis oder Hyperthyreose bewertet werden und beweist für sich allein keinen Krebs.

Was niedrige Tg-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Nach erfolgreicher Thyreoidektomie und Ablation (erwartet und erwünscht)
  • Thyreotoxicosis factitia (exogene Schilddrüsenhormoneinnahme)
  • Übertherapie mit Levothyroxin (unterdrückte endogene Produktion)
  • Interferenz durch Thyreoglobulin-Antikörper (falsch niedriger Wert)

Mögliche Symptome

  • Keine Symptome durch niedriges Thyreoglobulin an sich
  • Bei Thyreotoxicosis factitia: Hyperthyreose-Symptome bei supprimierter Schilddrüse

Was zu tun ist: Nach einer Schilddrüsenkrebsbehandlung ist ein nicht nachweisbares Thyreoglobulin das Therapieziel und spricht für ein gutes Ansprechen. Gleichzeitig sollten immer Thyreoglobulin-Antikörper kontrolliert werden, weil positive Antikörper falsch niedrige Werte verursachen können. Bei Verdacht auf eine Thyreotoxicosis factitia bestätigt ein supprimiertes Thyreoglobulin eine exogene Hormonzufuhr.

Wann wird ein Tg-Test empfohlen?

  • Zur langfristigen Nachsorge nach Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms
  • Wenn ein Rezidiv eines Schilddrüsenkarzinoms vermutet wird
  • Zur Unterscheidung verschiedener Ursachen einer Thyreotoxikose
  • Bei Verdacht auf Thyreotoxicosis factitia
  • Vor und nach Radiojodablation bei Schilddrüsenkrebs

Häufig gestellte Fragen

Thyreoglobulin wird ausschließlich von Schilddrüsenfollikelzellen gebildet – also sowohl von normalem Schilddrüsengewebe als auch von differenzierten Schilddrüsenkarzinomen. Nach totaler Thyreoidektomie und Radiojodablation sollte kein relevantes Schilddrüsengewebe mehr vorhanden sein. Wird Thyreoglobulin später wieder messbar oder steigt an, spricht das für verbliebenes Schilddrüsengewebe oder ein Tumorrezidiv.
Thyreoglobulin-Antikörper sind Autoantikörper gegen Thyreoglobulin. Sie sind klinisch wichtig, weil sie die Messung stören und insbesondere bei immunometrischen Tests zu falsch niedrigen Thyreoglobulinwerten führen können. Deshalb müssen Tg-Antikörper immer zusammen mit Thyreoglobulin bestimmt werden. Bei positiven Antikörpern ist der absolute Thyreoglobulinwert unzuverlässig, und der Verlauf der Antikörper selbst kann als Ersatzmarker dienen.
Beim stimulierten Thyreoglobulintest wird der Tg-Wert nach einer TSH-Stimulation gemessen. Dadurch wird die Thyreoglobulinfreisetzung aus noch vorhandenen normalen oder malignen Schilddrüsenzellen maximiert. Die Stimulation erfolgt entweder durch Absetzen von Levothyroxin oder durch rekombinantes humanes TSH. Dieser Test ist empfindlicher als eine Messung unter supprimiertem TSH und hilft beim Nachweis kleiner Tumorreste oder Rezidive.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

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