Prolaktin
HormoneZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Prolaktin?
Prolaktin ist ein Peptidhormon, das vor allem von laktotrophen Zellen im Hypophysenvorderlappen gebildet wird. Seine bekannteste Funktion ist die Anregung der Muttermilchproduktion nach der Geburt, doch Prolaktin hat über 300 beschriebene biologische Funktionen, unter anderem in Immunregulation, Stoffwechsel, Verhalten und Fortpflanzung. Im Unterschied zu vielen anderen Hypophysenhormonen steht die Prolaktinsekretion überwiegend unter hemmender Kontrolle durch Dopamin aus dem Hypothalamus – wird diese Dopaminwirkung gestört, steigt Prolaktin an.
Prolaktinspiegel sind bei Männern und nicht schwangeren Frauen normalerweise niedrig. In der Schwangerschaft steigen sie deutlich an, erreichen unter der Geburt ihren Höhepunkt und bleiben während des Stillens durch den Saugreiz erhöht. Prolaktin zeigt außerdem eine leichte zirkadiane Schwankung mit höheren Werten während des Schlafs. Wichtig ist, dass Prolaktin das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) hemmt und dadurch FSH- und LH-Ausschüttung unterdrückt. Deshalb kann erhöhtes Prolaktin bei Frauen Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit sowie bei Männern Libidoverlust und Erektionsstörungen verursachen. Stress, Brustwarzenstimulation, körperliche Belastung und bestimmte Nahrungsmittel können Prolaktin vorübergehend erhöhen und sollten bei der Interpretation berücksichtigt werden.
Warum der Wert wichtig ist
Eine Prolaktinerhöhung (Hyperprolaktinämie) gehört zu den häufigsten Hypophysenstörungen und beeinflusst Fruchtbarkeit, Sexualfunktion und Knochengesundheit. Prolaktinome – gutartige prolaktinproduzierende Hypophysentumoren – sind die häufigste Form des Hypophysenadenoms. Erhöhtes Prolaktin unterdrückt die Fortpflanzungsachse und führt bei Frauen zu Amenorrhö, Unfruchtbarkeit und Galaktorrhö sowie bei Männern zu Hypogonadismus mit Libidoverlust und Erektionsstörungen. Chronische Hyperprolaktinämie beschleunigt außerdem den Knochenverlust durch Suppression von Östrogen und Testosteron. Viele häufig verordnete Medikamente, insbesondere Antipsychotika, können Prolaktin erhöhen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann die Fruchtbarkeit wiederherstellen und Langzeitfolgen verhindern.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene Frauen (nicht schwanger) | 4–23 | ng/mL |
| Erwachsene Männer | 3–15 | ng/mL |
| Schwangere Frauen (3. Trimenon) | 95–473 | ng/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe PRL-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Prolaktinom (prolaktinsekretierendes Hypophysenadenom)
- Medikamente (Antipsychotika, Metoclopramid, SSRI, Östrogene)
- Hypothyreose (TRH stimuliert die Prolaktinfreisetzung)
- Schwangerschaft und Stillen (physiologisch)
- Kompression des Hypophysenstiels durch nicht funktionelle Hypophysentumoren
- Reizung der Brustwand oder Brustwarzenstimulation
- Chronische Nierenerkrankung
- Leberzirrhose
Mögliche Symptome
- Galaktorrhö (unangemessene Milchsekretion)
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation bei Frauen
- Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern
- Libidoverlust und Erektionsstörungen bei Männern
- Kopfschmerzen und Gesichtsfeldausfälle (bei großen Hypophysentumoren)
- Vaginale Trockenheit bei Frauen
- Mit der Zeit verminderte Knochendichte
- Gynäkomastie bei Männern (selten)
Was zu tun ist: Bei erhöhtem Prolaktin sollten zunächst physiologische Ursachen (Schwangerschaft, Stillen), Medikamenteneffekte und eine Hypothyreose ausgeschlossen werden. Sind diese ausgeschlossen, wird eine Hypophysen-MRT zum Ausschluss eines Prolaktinoms empfohlen. Die Höhe der Prolaktinerhöhung korreliert oft mit der Tumorgröße – Mikroprolaktinome (<10 mm) verursachen typischerweise Werte von 25–200 ng/mL, Makroprolaktinome (>10 mm) können über 1000 ng/mL liegen. Therapie der ersten Wahl sind Dopaminagonisten wie Cabergolin oder Bromocriptin; damit normalisieren sich die Werte und die Tumoren schrumpfen in 80–90 % der Fälle. Eine Operation bleibt meist Patientinnen und Patienten vorbehalten, die Medikamente nicht vertragen oder sehr große Tumoren haben.
Was niedrige PRL-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Therapie mit Dopaminagonisten (Cabergolin, Bromocriptin)
- Sheehan-Syndrom (postpartale Hypophysennekrose)
- Hypopituitarismus
- Medikamente, die die Dopaminaktivität erhöhen
Mögliche Symptome
- Unfähigkeit zu stillen (unzureichende Milchbildung)
- In den meisten Fällen keine Symptome, wenn die übrige Hypophysenfunktion normal ist
- Wenn Teil eines Hypopituitarismus: Müdigkeit, Gewichtsverlust und weitere Hormonmängel
Was zu tun ist: Isoliert niedriges Prolaktin ist bei nicht stillenden Personen selten klinisch bedeutsam. Wird ein niedriger Prolaktinwert jedoch zusammen mit anderen Hypophysenhormondefiziten gefunden, sollte eine umfassende Hypophysenfunktionsdiagnostik zum Ausschluss eines Hypopituitarismus erfolgen. Bei Wöchnerinnen, die nicht stillen können, sollte besonders bei gleichzeitig ausbleibender Wiederaufnahme der Menstruation und Müdigkeit an ein Sheehan-Syndrom gedacht werden. Bei Verdacht auf Hypopituitarismus sind eine Hypophysen-MRT und ein vollständiges Hormonprofil des Vorderlappens angezeigt.
Wann wird ein PRL-Test empfohlen?
- Bei der Abklärung unregelmäßiger oder ausbleibender Menstruation, Unfruchtbarkeit oder Galaktorrhö bei Frauen
- Bei der Abklärung von Libidoverlust, Erektionsstörungen oder Gynäkomastie bei Männern
- Wenn in der Bildgebung ein Hypophysenadenom gefunden wurde
- Zur Verlaufskontrolle unter Therapie bei Patientinnen und Patienten mit Prolaktinom
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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