PCT

Prokalzitonin

Immunsystem & Entzündung

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Prokalzitonin?

Prokalzitonin (PCT) ist ein 116 Aminosäuren langes Vorläuferpeptid des Hormons Kalzitonin. Unter normalen Bedingungen wird Prokalzitonin nahezu ausschließlich von den C-Zellen der Schilddrüse gebildet und vor der Freisetzung in Kalzitonin gespalten, sodass die zirkulierenden Spiegel sehr niedrig sind. Bei systemischen bakteriellen Infektionen und Sepsis kann jedoch fast jedes Gewebe des Körpers als Reaktion auf bakterielle Endotoxine und proinflammatorische Zytokine Prokalzitonin produzieren. Dadurch steigen die Serumwerte deutlich an.

Prokalzitonin ist einer der nützlichsten Marker, um bakterielle von viralen Infektionen zu unterscheiden und eine Antibiotikatherapie zu steuern. Im Gegensatz zu CRP und BSG, die bei vielen Entzündungsreizen ansteigen, reagiert PCT deutlich spezifischer auf bakterielle Infektionen. Es steigt innerhalb weniger Stunden nach Beginn einer bakteriellen Infektion an, erreicht nach etwa 24 Stunden seinen Gipfel und eignet sich deshalb gut zur Verlaufskontrolle unter Therapie.

Warum der Wert wichtig ist

Prokalzitonin hilft Ärztinnen und Ärzten bei entscheidenden Antibiotika-Entscheidungen: ob eine Therapie begonnen werden sollte und wann sie sicher beendet werden kann. Übermäßiger Antibiotikaeinsatz fördert Resistenzen. Studien zeigen, dass eine PCT-gesteuerte Antibiotikatherapie bei unteren Atemwegsinfektionen und Sepsis die Antibiotikaexposition verkürzen kann, ohne die Sterblichkeit zu erhöhen. Auf Intensivstationen hilft PCT außerdem, Sepsis von nichtinfektiösen Ursachen systemischer Entzündung zu unterscheiden.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Gesunde Erwachsene<0.05ng/mL
Mögliche bakterielle Infektion0.1–0.25ng/mL
Wahrscheinliche bakterielle Infektion0.25–0.5ng/mL
Schwere bakterielle Infektion/Sepsis>0.5ng/mL
Septischer Schock>10ng/mL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe PCT-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Bakterielle Sepsis und schwere bakterielle Infektionen
  • Bakterielle Pneumonie
  • Bakterielle Meningitis
  • Harnwegsinfektionen (Pyelonephritis)
  • Intraabdominelle Infektionen (Peritonitis, Abszess)
  • Große Operation oder Trauma (vorübergehende Erhöhung)
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom
  • Schwere Verbrennungen

Mögliche Symptome

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Tachykardie und niedriger Blutdruck (bei Sepsis)
  • Bewusstseinsveränderungen
  • Beschleunigte Atmung
  • Produktiver Husten (bei Pneumonie)
  • Bauchschmerzen (bei intraabdomineller Infektion)
  • Symptome abhängig vom Infektionsort

Was zu tun ist: Prokalzitonin muss immer im klinischen Kontext interpretiert werden. Ein PCT >0,5 ng/mL stützt eine bakterielle Infektion deutlich und spricht nach Abnahme von Kulturen für einen zügigen Beginn einer geeigneten empirischen Antibiotikatherapie. Werte >2 ng/mL deuten auf ein hohes Risiko für schwere Sepsis und Organfunktionsstörungen hin. Serielle Messungen alle 24–48 Stunden können das Therapieansprechen zeigen. Ein Rückgang um mehr als 80 % vom Spitzenwert oder ein absoluter Wert <0,5 ng/mL kann eine Beendigung der Antibiotikatherapie unterstützen.

Was niedrige PCT-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Keine bakterielle Infektion (Normalbefund)
  • Virale Infektion (typischerweise niedrig)
  • Autoimmune Entzündung ohne Infektion
  • Lokalisierte Infektion ohne systemische Beteiligung
  • Frühe bakterielle Infektion (erste 2–4 Stunden)

Mögliche Symptome

  • Keine Symptome durch niedriges Prokalzitonin selbst

Was zu tun ist: Ein niedriges Prokalzitonin (<0,25 ng/mL) spricht bei Verdacht auf Infektion eher für eine virale als für eine bakterielle Ursache. In vielen Fällen können Antibiotika dann zunächst zurückgestellt werden, sofern eine enge klinische Kontrolle erfolgt. Eine bakterielle Infektion ist damit aber nicht absolut ausgeschlossen, insbesondere nicht bei lokalen Infektionen, sehr frühem Krankheitsstadium oder Immunsuppression.

Wann wird ein PCT-Test empfohlen?

  • Wenn zwischen bakterieller und viraler Infektion der unteren Atemwege unterschieden werden soll
  • Bei Verdacht auf Sepsis auf Intensivstation oder in der Notaufnahme
  • Zur Steuerung der Antibiotikadauer bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten
  • Bei Fieber unklarer Ursache
  • Zur Beurteilung des Ansprechens auf eine Antibiotikatherapie bei schweren Infektionen

Häufig gestellte Fragen

PCT-gesteuerte Antibiotikastrategien wurden in zahlreichen Studien untersucht. Das Prinzip ist zweifach: Bei niedrigen Werten kann auf Antibiotika eher verzichtet werden, wenn eine virale Ursache wahrscheinlich ist. Sinkt PCT unter Therapie deutlich ab, kann die Behandlung oft früher beendet werden. So lässt sich die Antibiotikabelastung senken, ohne die Sicherheit zu verschlechtern.
Bakterielle Infektionen lösen eine Zytokinantwort mit IL-6, TNF-α und IL-1β aus, die die extrathyreoidale Prokalzitoninproduktion in vielen Geweben anregt. Virale Infektionen führen dagegen zu einer Interferon-γ-dominierten Antwort, die die Prokalzitoninbildung hemmt. Deshalb ergibt sich häufig das Muster: bakteriell = hohes PCT, viral = niedriges PCT.
Ja. Erhöhte Werte können auch nach größeren Operationen, bei schwerem Trauma, Verbrennungen, medullärem Schilddrüsenkarzinom oder in bestimmten anderen nichtinfektiösen Situationen auftreten. Deshalb ist der Verlauf zusammen mit dem klinischen Bild wichtiger als ein einzelner isolierter Messwert.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

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