Hb EP

Hämoglobin-Elektrophorese

Großes Blutbild

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Hämoglobin-Elektrophorese?

Die Hämoglobin-Elektrophorese ist ein Laborverfahren, mit dem verschiedene Hämoglobintypen in einer Blutprobe anhand ihrer elektrischen Ladung und Wanderung im elektrischen Feld getrennt und identifiziert werden. Im normalen Erwachsenenblut findet sich überwiegend Hämoglobin A (HbA, etwa 95–98 %), dazu kleine Mengen Hämoglobin A2 (HbA2, 2–3,5 %) und Hämoglobin F (HbF, <2 %). Zusammen mit ergänzenden Methoden wie Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) und Kapillarelektrophorese können abnorme Varianten wie HbS, HbC, HbE oder HbD erkannt und ihr Anteil quantifiziert werden.

Der Test ist das wichtigste diagnostische Verfahren für Hämoglobinopathien – also erbliche Störungen der Hämoglobinstruktur oder -produktion. Dazu zählen strukturelle Varianten wie die Sichelzellkrankheit sowie Thalassämien, bei denen die Bildung normaler Globinketten vermindert ist. Die Untersuchung dient der Diagnosesicherung, der Abklärung auffälliger Neugeborenenscreenings, der Trägerdiagnostik und der genetischen Beratung.

Warum der Wert wichtig ist

Die Hämoglobin-Elektrophorese ist essenziell für die Diagnose von Sichelzellkrankheit, Thalassämien und anderen Hämoglobinopathien, die weltweit sehr häufig sind. Bei der Sichelzellkrankheit beeinflusst das Hämoglobinmuster die Therapieplanung, etwa den Einsatz von Hydroxyurea, Transfusionsstrategien oder die Eignung für kurative Verfahren. Bei Thalassämien ist ein erhöhtes HbA2 typisch für die Beta-Thalassämie minor, während ein erhöhtes HbF auf schwerere Formen oder eine hereditäre Persistenz des fetalen Hämoglobins hinweisen kann. Die Erkennung von Trägerzuständen ist für die Familienplanung besonders wichtig.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Hämoglobin A (HbA)95–98%
Hämoglobin A2 (HbA2)2.0–3.5%
Hämoglobin F (HbF)<2%
Hämoglobin S (HbS)0%
Hämoglobin C (HbC)0%

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe Hb EP-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Erhöhtes HbA2 (>3,5 %): Beta-Thalassämie minor, megaloblastäre Anämie, Hyperthyreose
  • Erhöhtes HbF (>2 %): Beta-Thalassämie major/intermedia, Sichelzellkrankheit, hereditäre Persistenz des fetalen Hämoglobins, myelodysplastische Syndrome
  • Nachweis von HbS: Sichelzellkrankheit (HbSS) oder Sichelzellträgerstatus (HbAS)
  • Nachweis von HbC: HbC-Erkrankung oder HbC-Trägerstatus
  • Nachweis von HbE: HbE-Erkrankung oder HbE/Beta-Thalassämie

Mögliche Symptome

  • Sichelzellkrankheit: Schmerzkrisen, Anämie, Müdigkeit, Ikterus, Milzsequestration, Schlaganfall, akutes Thoraxsyndrom
  • Beta-Thalassämie major: schwere Anämie, Gedeihstörung, Hepatosplenomegalie, Skelettveränderungen
  • Beta-Thalassämie minor: meist symptomlos mit milder mikrozytärer Anämie
  • Sichelzellträgerstatus: meist symptomlos
  • HbC-Erkrankung: milde hämolytische Anämie, Splenomegalie

Was zu tun ist: Die Behandlung richtet sich nach der nachgewiesenen Hämoglobinopathie. Bei Sichelzellkrankheit kommen eine spezialisierte Betreuung, Hydroxyurea, Schmerztherapie, Infektionsprophylaxe und in ausgewählten Fällen Stammzelltransplantation oder Gentherapie infrage. Bei Beta-Thalassämie major sind regelmäßige Transfusionen und Eisenchelation erforderlich. Trägerinnen und Träger sollten eine genetische Beratung erhalten.

Was niedrige Hb EP-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Vermindertes HbA: Beta-Thalassämie oder Hämoglobinopathien, die HbA durch Varianten ersetzen
  • Niedriges HbA2 (<2 %): Eisenmangel, Alpha-Thalassämie, HbH-Erkrankung

Mögliche Symptome

  • Die Symptome hängen von Art und Schwere der Hämoglobinopathie ab
  • Bei Eisenmangel plus Thalassämie-Trägerstatus kann eine mikrozytäre Anämie bestehen, die auf Eisen allein nicht vollständig anspricht

Was zu tun ist: Ein vermindertes HbA zusammen mit erhöhten pathologischen Hämoglobinen bestätigt eine Hämoglobinopathie. Bei niedrigem HbA2 und gleichzeitigem Eisenmangel sollte der Eisenmangel zunächst behandelt und die Elektrophorese anschließend wiederholt werden, weil Eisenmangel eine Beta-Thalassämie maskieren kann. Bei Verdacht auf Alpha-Thalassämie ist oft eine molekulargenetische Diagnostik nötig.

Wann wird ein Hb EP-Test empfohlen?

  • Zur Abklärung eines auffälligen Hämoglobin-Neugeborenenscreenings
  • Bei ungeklärter mikrozytärer Anämie ohne Ansprechen auf Eisen
  • Zur Trägerdiagnostik vor oder während einer Schwangerschaft, besonders in Risikogruppen
  • Bei Verdacht auf Sichelzellkrankheit oder Sichelzellträgerstatus
  • Zur Bestätigung einer Thalassämie
  • Wenn in der Familie eine Hämoglobinopathie bekannt ist

Häufig gestellte Fragen

Bei der Sichelzellkrankheit werden zwei veränderte Gene vererbt, meist mit einem HbS-Anteil von 80–95 %. Betroffene entwickeln chronische Hämolyse, Schmerzkrisen und Organschäden. Beim Trägerstatus liegt nur ein Sichelzellgen vor; typischerweise überwiegt HbA und die betroffenen Personen sind meist gesund, können das Gen aber weitergeben.
Ja. Eisenmangel kann insbesondere den HbA2-Wert senken und dadurch eine Beta-Thalassämie minor verschleiern. Deshalb sollte ein Eisenmangel wenn möglich zuerst korrigiert und die Untersuchung anschließend wiederholt werden.
Durch das Neugeborenenscreening werden schwere Hämoglobinopathien erkannt, bevor Symptome auftreten. So können frühzeitig Maßnahmen wie Penicillinprophylaxe, Impfungen und Schulungen der Eltern eingeleitet werden, was die Prognose deutlich verbessert.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.