Ferritin
Vitamine & MineralstoffeZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Ferritin?
Ferritin ist das wichtigste Eisenspeicherprotein im Körper und kann in seiner kugelförmigen Hülle bis zu 4.500 Eisenatome binden. Ferritin kommt vor allem in Leber, Milz und Knochenmark vor und dient als Puffer, der überschüssiges Eisen sicher speichert, um Toxizität zu verhindern und gleichzeitig Reserven für Zeiten erhöhten Bedarfs bereitzuhalten. Eine kleine Menge Ferritin wird in den Blutkreislauf abgegeben, und dieser Serumferritinwert korreliert eng mit den gesamten Eisenspeichern des Körpers – damit ist Ferritin der beste einzelne Labortest zur Beurteilung des Eisenstatus.
Serumferritin ist unter den Eisenmarkern besonders, weil es gespeichertes und nicht zirkulierendes Eisen widerspiegelt. Anders als Serumeisen, das im Tagesverlauf stark schwankt, ist Ferritin relativ stabil und fällt als erster Wert ab, wenn die Eisenspeicher erschöpft werden – lange bevor Hämoglobin sinkt und eine Anämie entsteht. Allerdings ist Ferritin auch ein Akutphaseprotein und steigt unabhängig vom Eisenstatus bei Entzündung, Infektion, Lebererkrankung und Malignität an. Diese Doppelrolle macht die Interpretation kontextabhängig: Ein niedriges Ferritin beweist immer einen Eisenmangel, ein normales oder erhöhtes Ferritin schließt ihn bei gleichzeitiger Entzündung aber nicht sicher aus.
Warum der Wert wichtig ist
Ferritin ist der Goldstandard zum Nachweis eines Eisenmangels, von dem etwa 30 % der Weltbevölkerung betroffen sind. Ein niedriges Ferritin (<30 ng/mL) ist hochspezifisch für leere Eisenspeicher und kann einen Eisenmangel Monate vor dem Auftreten einer Anämie erkennen – was eine frühe Behandlung ermöglicht. Ebenso wichtig ist ein erhöhtes Ferritin, da es auf Eisenüberladung (Hämochromatose), Lebererkrankung, chronische Entzündung oder Malignität hinweisen kann. Weil Ferritin zwischen Ernährungsstatus und Krankheitsdiagnostik vermittelt, gehört es zu den klinisch vielseitigsten Bluttests.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene Männer | 20–250 | ng/mL |
| Erwachsene Frauen (prämenopausal) | 10–120 | ng/mL |
| Erwachsene Frauen (postmenopausal) | 20–200 | ng/mL |
| Kinder (6 Monate–15 Jahre) | 7–140 | ng/mL |
| Schwelle für Eisenmangel | <30 | ng/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe Ferritin-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Hereditäre Hämochromatose
- Chronische Lebererkrankung (Hepatitis, Zirrhose, Fettleber)
- Chronische Entzündung oder Infektion (Ferritin als Akutphaseprotein)
- Hämolytische Anämien
- Mehrfache Bluttransfusionen
- Metabolisches Syndrom und Adipositas
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Malignität (Lymphom, Leukämie, Nierenzellkarzinom)
- Still-Krankheit (bei Erwachsenen, stark erhöhtes Ferritin)
- Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH – sehr hohes Ferritin >10.000)
Mögliche Symptome
- In frühen Stadien oft symptomlos
- Gelenkschmerzen und Steifigkeit
- Müdigkeit und Schwäche
- Bauchschmerzen (bei Leberbeteiligung)
- Bronzefarbene Haut oder Hyperpigmentierung
- Diabetes mellitus (Eisenablagerung in der Bauchspeicheldrüse)
- Leberfunktionsstörung (erhöhte Leberenzyme)
- Herzprobleme (bei Eisenüberladung)
Was zu tun ist: Der klinische Zusammenhang muss beurteilt werden, um zwischen echter Eisenüberladung und reaktiver Ferritinerhöhung zu unterscheiden. Prüfen Sie die Transferrinsättigung: Werte über 45 % sprechen für eine echte Eisenüberladung und sollten zu einer HFE-Genanalyse führen. Ist Ferritin erhöht, die Transferrinsättigung aber normal, sollte auf Lebererkrankungen (Leberwerte, Bildgebung), Entzündung (CRP, BSG), metabolisches Syndrom oder Malignität untersucht werden. Sehr hohe Ferritinwerte (>1.000 ng/mL) müssen immer abgeklärt werden. Die Behandlung der Hämochromatose erfolgt durch therapeutischen Aderlass; eine reaktive Hyperferritinämie wird über die Therapie der Grunderkrankung behandelt.
Was niedrige Ferritin-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Eisenmangel (häufigste Ursache)
- Chronischer Blutverlust (Menstruation, GI-Blutung)
- Unzureichende Eisenaufnahme mit der Nahrung
- Malabsorption (Zöliakie, Magenbypass)
- Erhöhter Eisenbedarf (Schwangerschaft, pubertäres Wachstum)
- Häufige Blutspenden
- Hypothyreose (kann Ferritin senken)
Mögliche Symptome
- Müdigkeit, die im Verhältnis zur Anämie ausgeprägt ist
- Haarausfall (telogenes Effluvium)
- Restless-Legs-Syndrom
- Konzentrationsschwäche und mentaler Nebel
- Belastungsintoleranz
- Pica (ungewöhnliches Verlangen nach Eis, Erde, Stärke)
- Blasse Haut, brüchige Nägel
- Kann auch ohne Anämie auftreten (Eisenmangel ohne Anämie)
Was zu tun ist: Niedriges Ferritin bestätigt einen Eisenmangel. Die Ursache muss identifiziert und behandelt werden. Bei prämenopausalen Frauen sollte nach starken Monatsblutungen gefragt werden. Bei Männern und postmenopausalen Frauen wird eine GI-Abklärung (Endoskopie/Koloskopie) empfohlen, um okkulte Blutverluste auszuschließen. Orales Eisen (z. B. Eisensulfat 325 mg täglich oder jeden zweiten Tag) ist die Therapie der ersten Wahl. Eine Gabe jeden zweiten Tag kann die Aufnahme durch geringere Hepcidinanstiege sogar verbessern. Intravenöses Eisen ist angezeigt, wenn orales Eisen nicht wirkt, nicht vertragen wird oder eine rasche Auffüllung nötig ist. Für eine Symptomverbesserung wird häufig ein Ferritin-Ziel von >50–100 ng/mL angestrebt. Kontrolle nach 6–8 Wochen.
Wann wird ein Ferritin-Test empfohlen?
- Bei Verdacht auf Eisenmangel oder Anämie
- Zur Überwachung einer Eisensupplementation
- Zum Screening auf Hämochromatose bei Risikopersonen
- Bei ungeklärter Müdigkeit, Haarausfall oder Restless Legs
- Während der Schwangerschaft (Routine-Screening)
- Vor und nach Blutspenden oder bariatrischer Operation
- Wenn gleichzeitig CRP erhöht ist (zur besseren Ferritin-Interpretation bei Entzündung)
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
Biomarker-Glossarseiten sind erklärende Bildungsinhalte und sollten immer zusammen mit den Referenzbereichen und Kommentaren Ihres Labors sowie Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes interpretiert werden. Mehr zu unseren redaktionellen Standards und unserem Prüfprozess finden Sie in unserer Redaktionsrichtlinie und Prüfprozess für Inhalte.
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