SG

Spezifisches Gewicht des Urins

Urinanalyse

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Spezifisches Gewicht des Urins?

Das spezifische Gewicht des Urins (SG) misst die Konzentration gelöster Stoffe im Urin im Verhältnis zu reinem Wasser und liefert damit eine einfache Einschätzung der Fähigkeit der Nieren, Urin zu konzentrieren und zu verdünnen. Reines Wasser hat ein spezifisches Gewicht von 1,000; normaler Urin liegt zwischen 1,002 (sehr verdünnt) und 1,030 (sehr konzentriert). Zu den wichtigsten gelösten Stoffen, die zum spezifischen Gewicht beitragen, gehören Harnstoff, Natrium, Chlorid, Kalium und Kreatinin; kleinere Beiträge stammen von Glukose, Eiweiß und anderen gelösten Substanzen.

Die Nieren regulieren die Urinkonzentration in Abhängigkeit vom Flüssigkeitsstatus des Körpers über das antidiuretische Hormon (ADH, auch Vasopressin). Ist der Körper dehydriert, steigen die ADH-Spiegel, die Nieren resorbieren mehr Wasser zurück und es entsteht konzentrierter Urin (hohes SG). Bei guter Hydrierung sinkt ADH, und die Nieren produzieren verdünnten Urin (niedriges SG). Das spezifische Gewicht wird im Rahmen einer Routine-Urinanalyse mit Refraktometer oder Teststreifen gemessen und liefert einen schnellen Überblick über Hydratationsstatus und renale Konzentrationsfähigkeit. Es ist besonders nützlich zur Einordnung anderer Urinbefunde, da sehr verdünnter oder stark konzentrierter Urin die Genauigkeit weiterer Teststreifenparameter beeinflussen kann.

Warum der Wert wichtig ist

Das spezifische Gewicht des Urins ist ein schneller und kostengünstiger Marker für Hydratationsstatus und Nierenfunktion. Ein fixes spezifisches Gewicht (Isosthenurie, ungefähr 1,010) trotz wechselnder Flüssigkeitsaufnahme weist auf einen Verlust der renalen Konzentrationsfähigkeit hin – ein frühes Zeichen einer Nierenschädigung. Ein sehr niedriges spezifisches Gewicht kann auf Diabetes insipidus (Unfähigkeit, ADH zu produzieren oder darauf zu reagieren) oder auf eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme hinweisen. Ein sehr hohes spezifisches Gewicht kann Dehydrierung, Nierenfunktionsstörung oder abnorme gelöste Stoffe wie Glukose (Diabetes mellitus) oder Eiweiß anzeigen. Der Test hilft außerdem, andere Urinbefunde zu interpretieren: Spurenprotein in stark konzentriertem Urin kann unbedeutend sein, während Spurenprotein in verdünntem Urin eher besorgniserregend ist.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene (Spontanurin)1.002–1.030
Typisch gut hydriert1.010–1.025
Erster Morgenurin (konzentriert)1.015–1.025

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe SG-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Dehydrierung (häufigste Ursache)
  • Starkes Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall
  • Stauungsherzinsuffizienz (verminderte Nierendurchblutung)
  • Diabetes mellitus (Glykosurie erhöht das SG)
  • SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion)
  • Proteinurie oder Kontrastmittel im Urin
  • Nebenniereninsuffizienz

Mögliche Symptome

  • Dunkelgelber bis bernsteinfarbener Urin
  • Durst und Mundtrockenheit
  • Verminderte Urinmenge
  • Müdigkeit und Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrierter, stark riechender Urin

Was zu tun ist: Wenn Dehydrierung die Ursache ist, erhöhen Sie die Flüssigkeitszufuhr – der Urin sollte heller werden und das spezifische Gewicht sinken. Bleibt der Wert trotz ausreichender Trinkmenge erhöht, sollte auf Diabetes mellitus (Glukosekontrolle), Proteinurie oder SIADH untersucht werden. Hohes SG mit klinischen Zeichen der Dehydrierung kann eine intravenöse Flüssigkeitstherapie erforderlich machen. Interpretieren Sie weitere Urinbefunde (Eiweiß, Zellen) stets im Kontext von konzentriertem Urin.

Was niedrige SG-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Übermäßige Flüssigkeitsaufnahme (Polydipsie)
  • Diabetes insipidus (zentral oder nephrogen)
  • Chronische Nierenerkrankung (Verlust der Konzentrationsfähigkeit)
  • Diuretika
  • Akute Tubulusnekrose (Erholungsphase)
  • Psychogene Polydipsie

Mögliche Symptome

  • Klarer, farbloser Urin
  • Häufiges Wasserlassen (Polyurie)
  • Starker Durst (Polydipsie) bei Diabetes insipidus
  • Nykturie (nächtliches Wasserlassen)

Was zu tun ist: Anhaltend verdünnter Urin (SG <1,005) trotz Flüssigkeitsrestriktion sollte auf Diabetes insipidus (Durstversuch, ADH-Spiegel) oder chronische Nierenerkrankung (Kreatinin, GFR) abgeklärt werden. Wenn eine freiwillig übermäßige Wasseraufnahme die Ursache ist, sollte zu einer angemessenen Trinkmenge beraten werden. Ein fixes SG von 1,010 (Isosthenurie) spricht für eine relevante tubuläre Nierenschädigung. Prüfen Sie Medikamente, die verdünnten Urin verursachen können, darunter Lithium und Diuretika.

Wann wird ein SG-Test empfohlen?

  • Als Teil einer routinemäßigen Urinuntersuchung
  • Zur Beurteilung des Hydratationsstatus
  • Wenn Diabetes insipidus vermutet wird
  • Zur Beurteilung der renalen Konzentrationsfähigkeit
  • Bei der Interpretation anderer Urinbefunde
  • Bei Sportlerinnen, Sportlern oder Beschäftigten mit Dehydrierungsrisiko

Häufig gestellte Fragen

Beide messen die Urinkonzentration, arbeiten aber unterschiedlich. Das spezifische Gewicht misst die Dichte gelöster Stoffe (beeinflusst sowohl von Anzahl als auch Gewicht der Teilchen), während die Osmolalität die Zahl gelöster Teilchen unabhängig von ihrer Größe misst. Die Osmolalität ist genauer – große Moleküle wie Glukose, Eiweiß oder Kontrastmittel können das spezifische Gewicht unverhältnismäßig stark erhöhen, ohne die Osmolalität im gleichen Maße zu steigern. Für die Routineversorgung ist das spezifische Gewicht meist ausreichend und praktischer. Für die präzise Beurteilung der Konzentrationsfähigkeit, insbesondere bei Diabetes-insipidus-Abklärung, ist die Osmolalität vorzuziehen.
Hell strohgelber bis hellgelber Urin (spezifisches Gewicht etwa 1,005–1,015) spricht im Allgemeinen für eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Dunkel bernsteinfarbener Urin deutet auf Dehydrierung hin, völlig farbloser Urin kann auf Überhydrierung hindeuten. Die in der Sportmedizin oft verwendete „Urinfarbskala“ korreliert mit dem spezifischen Gewicht: Farben 1–3 (hell) sprechen für ausreichende Hydrierung, 4–6 (mittelgelb bis bernsteinfarben) für leichte Dehydrierung und 7–8 (dunkel bernsteinfarben bis braun) für ausgeprägte Dehydrierung. Beachten Sie, dass bestimmte Lebensmittel (Rote Bete, Spargel), Medikamente und Vitamine (B2/Riboflavin) die Urinfarbe unabhängig vom Flüssigkeitsstatus verändern können.
Ja. Stoffe wie Glukose (bei unkontrolliertem Diabetes), Eiweiß (beim nephrotischen Syndrom) oder radiologische Kontrastmittel können das spezifische Gewicht künstlich erhöhen, sodass der Urin konzentrierter erscheint, als er hinsichtlich normaler gelöster Stoffe tatsächlich ist. Auch die Teststreifenmethode kann durch stark alkalischen Urin (falsch niedrig) oder stark sauren Urin (falsch hoch) beeinflusst werden. Für die genaueste Beurteilung ist eine Refraktometer-Messung dem Teststreifen vorzuziehen. Wenn Genauigkeit besonders wichtig ist – etwa bei Drogentests oder in der Diabetes-insipidus-Abklärung – sollte die Urinosmolalität direkt gemessen werden.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.