Progesteron
HormoneZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Progesteron?
Progesteron ist ein Steroidhormon, das nach dem Eisprung vor allem vom Corpus luteum im Eierstock und während der Schwangerschaft von der Plazenta gebildet wird. Auch die Nebennieren produzieren bei Männern und Frauen geringe Mengen. Der Name bedeutet wörtlich „für die Schwangerschaft“ – Progesteron bereitet die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor und erhält die frühe Schwangerschaft aufrecht, bis die Plazenta etwa zwischen der 8. und 12. Woche die Hormonproduktion übernimmt. Über die Fortpflanzung hinaus wirkt Progesteron über seinen Metaboliten Allopregnanolon auch beruhigend auf das Gehirn, da dieser an GABA-Rezeptoren wirkt.
Während der Follikelphase des Menstruationszyklus ist Progesteron niedrig. Nach dem Eisprung produziert das Corpus luteum Progesteron, wodurch die Werte in der Lutealphase deutlich ansteigen. Dieser Progesteronanstieg verwandelt das Endometrium aus einem proliferativen in einen sekretorischen Zustand, der eine Einnistung unterstützen kann. Tritt keine Schwangerschaft ein, bildet sich das Corpus luteum zurück, Progesteron fällt ab und die Menstruation beginnt. In der Schwangerschaft steigen die Progesteronwerte stark an und erreichen im dritten Trimenon das 10- bis 20-Fache des lutealen Gipfels. Progesterontests werden vor allem eingesetzt, um einen Eisprung zu bestätigen und die Funktion der Lutealphase zu beurteilen.
Warum der Wert wichtig ist
Progesteron ist essenziell für das Zustandekommen und den Erhalt einer Schwangerschaft. Unzureichendes Progesteron in der Lutealphase kann die Einnistung verhindern oder zu frühen Fehlgeburten führen. Außerdem reguliert Progesteron den Menstruationszyklus – ohne ausreichendes Progesteron kann ungebremstes Östrogen zu einer Endometriumhyperplasie und einem erhöhten Risiko für Endometriumkarzinom führen. In der Reproduktionsmedizin gehören die Überwachung und gegebenenfalls Substitution von Progesteron zum Standard. Darüber hinaus beeinflusst Progesteron Stimmung, Schlaf, Körpertemperatur und die Entwicklung des Brustgewebes.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Frauen (Follikelphase) | 0.1–0.9 | ng/mL |
| Frauen (mittlere Lutealphase) | 5–20 | ng/mL |
| Schwangerschaft im 1. Trimenon | 11–44 | ng/mL |
| Erwachsene Männer | 0.1–0.5 | ng/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe P4-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Schwangerschaft (physiologisch erhöht)
- Eisprung (normaler lutealer Anstieg)
- Angeborene Nebennierenhyperplasie (21-Hydroxylase-Mangel)
- Ovarialzysten (Corpus-luteum-Zysten)
- Nebennieren- oder Ovarialtumoren
- Blasenmole
- Exogene Progesteronsubstitution
Mögliche Symptome
- Schläfrigkeit und Müdigkeit
- Blähungen und Brustspannen
- Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
- Verstopfung
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Akne
Was zu tun ist: Hohes Progesteron bei einer nicht schwangeren Frau sollte zunächst an eine Schwangerschaft denken lassen. Ist keine Schwangerschaft vorhanden, ist ein erhöhter Progesteronwert in der Lutealphase normal und bestätigt einen Eisprung. Anhaltend erhöhte Werte außerhalb des erwarteten Zykluszeitpunkts können auf eine angeborene Nebennierenhyperplasie (Bestimmung von 17-Hydroxyprogesteron), Corpus-luteum-Zysten oder selten Ovarial- bzw. Nebennierentumoren hinweisen. Unter exogener Progesterongabe, etwa bei IVF oder Hormonersatz, sind erhöhte Werte erwartbar; Dosisanpassungen richten sich dann nach der klinischen Situation.
Was niedrige P4-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Anovulation (kein Eisprung)
- Lutealphaseninsuffizienz (unzureichende Corpus-luteum-Funktion)
- Drohende Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
- Hypothalamische Amenorrhö
- Hyperprolaktinämie
- Menopause
Mögliche Symptome
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
- Schwierigkeiten, schwanger zu werden, oder wiederholte Fehlgeburten
- Prämenstruelle Schmierblutungen
- Kurze Menstruationszyklen (verkürzte Lutealphase)
- Angst und Stimmungsschwankungen
- Insomnie oder gestörter Schlaf
- Hitzewallungen (in der Menopause)
Was zu tun ist: Ein niedriger Progesteronwert in der mittleren Lutealphase (unter 3 ng/mL, gemessen 7 Tage nach dem vermuteten Eisprung) spricht stark für eine Anovulation. Ursachen sollten mit FSH, LH, Estradiol, Schilddrüsenwerten und Prolaktin abgeklärt werden. Bei bestätigtem Eisprung, aber niedrigem lutealen Progesteron und unerfülltem Kinderwunsch kann eine Progesteronsubstitution (vaginal oder intramuskulär) in der Lutealphase verordnet werden. Frauen mit PCOS profitieren oft von einer Ovulationsinduktion mit Letrozol oder Clomifen. In der Frühschwangerschaft kann niedriges Progesteron auf eine gefährdete Schwangerschaft hinweisen; manchmal wird dann Progesteron gegeben, wobei die Evidenz außerhalb der IVF gemischt ist.
Wann wird ein P4-Test empfohlen?
- Am 21. Zyklustag (oder 7 Tage nach vermutetem Eisprung), um einen Eisprung zu bestätigen
- Bei der Abklärung von Unfruchtbarkeit oder wiederholten Fehlgeburten
- In der Frühschwangerschaft bei Verdacht auf Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft
- Zur Überwachung einer Progesteronsubstitution während einer Fertilitätsbehandlung
Häufig gestellte Fragen
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