GCG

Glukagon

Hormone

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Glukagon?

Glukagon ist ein Peptidhormon aus 29 Aminosäuren, das von Alphazellen der Langerhans-Inseln des Pankreas gebildet wird. Es ist das wichtigste gegenregulatorische Hormon zu Insulin und erhöht den Blutzucker, wenn dieser zu stark absinkt. Während Insulin die Aufnahme und Speicherung von Glukose fördert, stimuliert Glukagon in der Leber die Glykogenolyse (Abbau gespeicherten Glykogens zu Glukose), die Glukoneogenese (Neubildung von Glukose aus Aminosäuren und anderen Substraten) und die Ketogenese. Zusammen halten Insulin und Glukagon den Blutzucker in einem engen physiologischen Bereich.

Die Glukagonsekretion wird durch niedrige Blutzuckerwerte, Aminosäuren – insbesondere Alanin und Arginin –, Katecholamine und die Aktivierung des sympathischen Nervensystems stimuliert. Hohe Blutzuckerwerte, Insulin, Somatostatin und GLP-1 hemmen sie. Bei gesunden Menschen bestimmt das Verhältnis von Insulin zu Glukagon den Stoffwechselzustand: Ein hohes Verhältnis im fed state fördert Anabolismus und Glukosespeicherung, ein niedriges Verhältnis im Fastenzustand Katabolismus und Glukosefreisetzung. Eine Fehlregulation des Glukagons trägt wesentlich zur Hyperglykämie bei Diabetes mellitus bei.

Warum der Wert wichtig ist

Eine gestörte Glukagonregulation wird zunehmend als wichtiger Faktor in der Pathophysiologie des Diabetes erkannt – beim Typ-2-Diabetes spielt nicht nur ein Insulinmangel oder eine Insulinresistenz eine Rolle, sondern auch ein relativer Glukagonüberschuss, der die hepatische Glukoseproduktion antreibt. Dieses „bihormonelle“ Modell hat zu therapeutischen Fortschritten wie GLP-1-Rezeptoragonisten und dualen GIP/GLP-1-Agonisten geführt, die Glukagon unterdrücken. Glukagon ist außerdem klinisch bedeutsam als lebensrettendes Notfallmedikament bei schwerer Hypoglykämie und als Tumormarker für seltene Glukagonome. Das Verständnis der Glukagonphysiologie ist daher wichtig für das Verständnis der Stoffwechselregulation insgesamt.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Nüchterne Erwachsene50–150pg/mL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe GCG-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Glukagonom (seltener Alphazelltumor des Pankreas)
  • Typ-2-Diabetes mellitus (relative Hyperglukagonämie)
  • Diabetische Ketoazidose
  • Akute Pankreatitis
  • Chronische Nierenerkrankung (verminderte Clearance)
  • Leberzirrhose
  • Längeres Fasten oder Verhungern
  • Stress, Trauma oder Sepsis

Mögliche Symptome

  • Nekrolytisches migratorisches Erythem – charakteristischer schmerzhafter blasiger Hautausschlag (Glukagonom)
  • Ausgeprägter Gewichtsverlust
  • Diabetes oder Glukoseintoleranz
  • Tiefe Venenthrombose (Glukagonome sind stark thrombogen)
  • Anämie
  • Glossitis und Stomatitis (rote, schmerzhafte Zunge und Mundschleimhaut)
  • Depression

Was zu tun ist: Stark erhöhtes Nüchternglukagon (>500 pg/mL) zusammen mit dem typischen Hautausschlag (nekrolytisches migratorisches Erythem) ist nahezu beweisend für ein Glukagonom – das klassische „4-D-Syndrom“ aus Dermatitis, Diabetes, DVT und Depression. Zur Lokalisation werden CT oder MRT des Pankreas eingesetzt. Glukagonome sind bei Diagnosestellung häufig groß und in 50–80 % der Fälle bereits in die Leber metastasiert. Wenn möglich ist die chirurgische Resektion die Therapie der Wahl. Somatostatinanaloga wie Octreotid können Symptome und Glukagonsekretion kontrollieren. Mäßig erhöhte Glukagonwerte bei Diabetes spiegeln die bihormonelle Pathophysiologie wider und werden mit Medikamenten behandelt, die Glukagon unterdrücken, etwa GLP-1-Agonisten oder DPP-4-Hemmern.

Was niedrige GCG-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Chronische Pankreatitis mit Zerstörung der Inselzellen
  • Totale oder nahezu totale Pankreatektomie
  • Mukoviszidose-bedingte Pankreasinsuffizienz
  • Somatostatin-produzierende Tumoren (Somatostatinome)
  • Idiopathisch (selten)

Mögliche Symptome

  • Wiederkehrende oder schwere Hypoglykämien (vor allem nüchtern)
  • Gestörte gegenregulatorische Antwort auf niedrigen Blutzucker
  • Symptome der Hypoglykämie: Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle
  • Schwierigkeit, den Blutzucker bei Krankheit oder Fasten stabil zu halten

Was zu tun ist: Ein Glukagonmangel beeinträchtigt die gegenregulatorische Antwort auf Hypoglykämien und erhöht damit das Risiko schwerer Unterzuckerungen. Bei Menschen mit Diabetes und zusätzlicher Pankreasinsuffizienz erschwert der Verlust von Glukagon das Management von Hypoglykämien erheblich. Im Vordergrund stehen daher Vorbeugung durch sorgfältige Insulindosierung, regelmäßige Mahlzeiten und Schulung zur Erkennung und Behandlung niedriger Blutzuckerwerte. Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Glukagonantwort sollten immer schnell verfügbare Glukose mitführen. Exogenes Glukagon – injizierbar oder nasal – sollte für Notfälle verfügbar sein, ersetzt aber nicht die kontinuierliche physiologische Gegenregulation.

Wann wird ein GCG-Test empfohlen?

  • Bei Verdacht auf ein Glukagonom (charakteristischer Hautausschlag, ungeklärter Diabetes, DVT)
  • Bei der Abklärung wiederkehrender Hypoglykämien mit gestörter Gegenregulation
  • Zur Beurteilung der endokrinen Pankreasfunktion bei chronischer Pankreatitis
  • Im Rahmen von Forschungsprotokollen zur Pathophysiologie des Diabetes

Häufig gestellte Fragen

Glukagon und Insulin sind Gegenspieler, die gemeinsam die Blutzuckerhomöostase steuern. Nach dem Essen führt ein steigender Blutzucker zur Insulinfreisetzung aus den Betazellen und gleichzeitig zur Unterdrückung von Glukagon aus den Alphazellen – das fördert die Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettgewebe, die Glykogensynthese und die Lipogenese. Im Fastenzustand sinkt der Blutzucker, Insulin fällt ab und Glukagon steigt an – dadurch werden Glykogenabbau, Glukoneogenese und Fettmobilisierung angeregt, um die Energieversorgung aufrechtzuerhalten. Entscheidend ist das Verhältnis von Insulin zu Glukagon und nicht eines der beiden Hormone allein. Beim Typ-2-Diabetes ist diese Abstimmung gestört: Alphazellen unterdrücken nach Mahlzeiten die Glukagonfreisetzung nicht ausreichend, was zur postprandialen Hyperglykämie beiträgt.
Ein Glukagonom ist ein extrem seltener neuroendokriner Tumor der pankreatischen Alphazellen mit einer Inzidenz von ungefähr 1 Fall pro 20 Millionen Menschen und Jahr. Typischerweise präsentiert er sich mit dem „Glukagonom-Syndrom“: nekrolytisches migratorisches Erythem – ein charakteristischer schmerzhafter, verkrustender Hautausschlag –, neu aufgetretener Diabetes oder schlechtere Blutzuckerkontrolle, tiefe Venenthrombosen, Gewichtsverlust, Anämie und Depression. Der Hautausschlag ist oft das erste Symptom und wird nicht selten über Monate oder Jahre fehlgedeutet. Glukagonome sitzen meist im Körper oder Schwanz des Pankreas und sind in etwa 60–80 % der Fälle bösartig. Nüchternglukagonwerte über 500 pg/mL sind hoch verdächtig, Werte über 1000 pg/mL nahezu diagnostisch.
Glukagon ist eine lebensrettende Notfallbehandlung bei schwerer Hypoglykämie, wenn eine Person bewusstlos ist oder keine orale Glukose einnehmen kann. Es wirkt, indem es die Leber dazu anregt, gespeichertes Glykogen als Glukose freizusetzen, wodurch der Blutzucker meist innerhalb von 10–15 Minuten ansteigt. Glukagon ist als intramuskuläres Injektionsset (mit Rekonstitution), als vorgefüllter Autoinjektor (Dasiglukagon) und als Nasenpulver erhältlich, das auch von Laien ohne Injektion verabreicht werden kann. Es ist besonders wichtig für Menschen mit Typ-1-Diabetes und für Personen unter Insulintherapie. Seine Wirksamkeit ist eingeschränkt, wenn die Glykogenspeicher leer sind – etwa bei längerem Fasten, Alkoholintoxikation oder fortgeschrittener Lebererkrankung –, da die Wirkung auf hepatischem Glykogen beruht.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.