D-Dimer
GerinnungZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist D-Dimer?
D-Dimer ist ein Fibrin-Abbauprodukt – ein kleines Proteinfragment, das ins Blut freigesetzt wird, wenn quervernetztes Fibrin (das Endprodukt der Gerinnungskaskade) durch das fibrinolytische System abgebaut wird. Wenn sich ein Blutgerinnsel bildet, erzeugt die Gerinnungskaskade Fibrinfäden, die durch Faktor XIII quervernetzt werden und das Gerinnsel stabilisieren. Aktiviert das körpereigene fibrinolytische System Plasmin, um das Gerinnsel aufzulösen, werden diese quervernetzten Fibrinfäden gespalten und D-Dimer-Fragmente freigesetzt. Das Vorhandensein von D-Dimer im Blut zeigt daher an, dass sowohl Gerinnselbildung als auch Gerinnselabbau stattgefunden haben.
Die D-Dimer-Bestimmung ist einer der am häufigsten angeordneten Gerinnungstests und wird vor allem als Ausschlusstest für venöse Thromboembolien (VTE) – tiefe Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE) – verwendet. Ihr klinischer Wert liegt in der hohen negativen prädiktiven Aussagekraft: Ein normales D-Dimer bei einer Person mit niedriger bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit schließt eine VTE effektiv aus, ohne dass eine Bildgebung erforderlich ist. D-Dimer ist jedoch wenig spezifisch – es ist auch bei vielen anderen Zuständen erhöht, darunter Infektion, Operation, Malignität, Schwangerschaft und Entzündung – sodass ein positives Ergebnis kein Gerinnsel beweist und weiter mittels Bildgebung abgeklärt werden muss.
Warum der Wert wichtig ist
D-Dimer ist entscheidend in der Notfallabklärung bei Verdacht auf Blutgerinnsel. Ein normales D-Dimer bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit einer VTE kann TVT oder LE sicher ausschließen und dadurch unnötige CT-Angiografien oder Ultraschalluntersuchungen vermeiden, die Strahlenexposition reduzieren und Kosten senken. Erhöhtes D-Dimer ist jedoch unspezifisch und muss immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden. Darüber hinaus gewinnt D-Dimer an Bedeutung bei der Überwachung der disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC), bei der Einschätzung des Schweregrads von COVID-19 und durch altersadaptierte Grenzwerte zur Verbesserung der Spezifität bei älteren Erwachsenen.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene (<50 Jahre) | <500 | ng/mL (FEU) |
| Altersadjustiert (>50 Jahre) | <age × 10 | ng/mL (FEU) |
| Schwangerschaft (3. Trimester) | Up to 1500 | ng/mL (FEU) |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe D-D-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Tiefe Venenthrombose (TVT)
- Lungenembolie (LE)
- Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)
- Frische Operation oder Trauma
- Aktive Infektion oder Sepsis
- Malignität
- Schwangerschaft
- Lebererkrankung
- Aortendissektion
- Vorhofflimmern
- Hohes Alter
- COVID-19 und schwere entzündliche Erkrankungen
Mögliche Symptome
- Die D-Dimer-Erhöhung selbst verursacht keine Symptome
- TVT-Symptome: Beinschwellung, Schmerzen, Wärme, Rötung
- LE-Symptome: plötzliche Luftnot, Brustschmerz, schneller Herzschlag, Bluthusten
- DIC-Symptome: diffuse Blutungen, Hämatome, Organfunktionsstörung
Was zu tun ist: Ein erhöhtes D-Dimer muss anhand der klinischen Vortestwahrscheinlichkeit (Wells-Score oder Geneva-Score) interpretiert werden. Bei Verdacht auf TVT sollte ein Kompressionsultraschall durchgeführt werden. Bei Verdacht auf LE sollte eine CT-Pulmonalisangiografie erfolgen. Bei Verdacht auf DIC sollten PT, aPTT, Fibrinogen, Thrombozytenzahl und peripherer Blutausstrich bestimmt werden. D-Dimer allein sollte nicht zur Diagnose von Gerinnseln verwendet werden – es ist ein Ausschluss-, kein Bestätigungstest. Bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten ist D-Dimer aus nichtthrombotischen Gründen häufig erhöht und diagnostisch nur begrenzt nützlich. Altersadaptierte Grenzwerte (Alter × 10 ng/mL bei Personen >50 Jahre) verbessern die Spezifität, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.
Was niedrige D-D-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Normalbefund bei gesunden Personen
- Wirksame Antikoagulationstherapie
- Symptome bestehen seit >2 Wochen (Gerinnsel ist organisiert)
Mögliche Symptome
- Niedriges D-Dimer verursacht keine Symptome und entspricht dem erwarteten Normalzustand
Was zu tun ist: Ein niedriges (normales) D-Dimer bei niedriger bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit schließt eine akute VTE effektiv aus. Weitere Tests auf Blutgerinnsel sind in der Regel nicht nötig. Ein normales D-Dimer schließt jedoch KEINE chronischen oder organisierten Gerinnsel, kleine subsegmentale Lungenembolien oder VTE bei sehr hoher Vortestwahrscheinlichkeit aus – in diesen Fällen sollte unabhängig vom D-Dimer bildgebend untersucht werden.
Wann wird ein D-D-Test empfohlen?
- Bei Verdacht auf akute TVT oder LE (in Kombination mit klinischer Wahrscheinlichkeitsbewertung)
- Bei Abklärung einer DIC bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten
- Als prognostischer Marker bei schweren Infektionen und COVID-19
- Zur Überwachung des Ansprechens auf Antikoagulation bei VTE
- Wenn eine Aortendissektion differentialdiagnostisch in Betracht kommt
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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