C3

Komplement C3

Immunsystem & Entzündung

Zuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.

Was ist Komplement C3?

Komplement C3 ist das häufigste und zentrale Protein des Komplementsystems, eines Netzwerks aus über 30 Plasmaproteinen, das einen entscheidenden Teil der angeborenen Immunabwehr bildet. C3 ist der Konvergenzpunkt aller drei Aktivierungswege des Komplementsystems – klassischer, Lektin- und alternativer Weg – und seine Spaltung in C3a und C3b ist der Schlüsselschritt der Komplementaktivierung. C3b opsoniert Erreger und Immunkomplexe zur Phagozytose, C3a ist ein Anaphylatoxin, das Entzündungszellen anlockt, und nachgeschaltete Aktivierung führt zur Bildung des Membranangriffskomplexes (C5b-9), der Erreger direkt lysieren kann.

C3 wird hauptsächlich in der Leber gebildet, mit zusätzlicher lokaler Produktion durch Makrophagen, Fibroblasten und Epithelzellen an Entzündungsorten. Die Serum-C3-Spiegel spiegeln das Gleichgewicht zwischen hepatischer Produktion und Verbrauch durch Komplementaktivierung wider. Bei Autoimmunerkrankungen wie SLE aktivieren Immunkomplexe chronisch den klassischen Weg, verbrauchen C3 und C4 und führen so zu niedrigen Serumspiegeln – ein Kennzeichen der aktiven Lupusnephritis. Umgekehrt verhält sich C3 als Akut-Phase-Protein und kann bei Infektionen, Entzündungen und metabolischem Syndrom erhöht sein, wenn die gesteigerte Leberproduktion den Verbrauch übersteigt.

Warum der Wert wichtig ist

C3 ist essenziell für die Überwachung der Krankheitsaktivität beim systemischen Lupus erythematodes, insbesondere bei Lupusnephritis, bei der fallende C3- und C4-Werte häufig einen Schub ankündigen, bevor sich die klinischen Symptome verschlechtern. Serielle C3-Messungen helfen bei der Steuerung der Therapieintensität – dauerhaft niedriges C3 zusammen mit steigenden Anti-dsDNA-Antikörpern ist ein Warnsignal und kann eine präemptive Eskalation der Therapie erforderlich machen. Niedriges C3 ist außerdem wichtig für die Diagnose komplementvermittelter Nierenerkrankungen wie C3-Glomerulopathie, atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS) und postinfektiöse Glomerulonephritis. Ein genetischer C3-Mangel ist selten, prädisponiert aber für schwere rezidivierende bakterielle Infektionen, insbesondere durch bekapselte Erreger.

Normale Referenzbereiche

GruppeBereichEinheit
Erwachsene90–180mg/dL
Kinder (1–18 Jahre)80–170mg/dL
Säuglinge (6 Monate–1 Jahr)60–150mg/dL

Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.

Was hohe C3-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Akut-Phase-Reaktion (Infektion, Trauma, Operation)
  • Chronische Entzündung
  • Metabolisches Syndrom und Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Gallenwegsobstruktion
  • Bestimmte Malignome

Mögliche Symptome

  • Ein erhöhtes C3 selbst verursacht keine spezifischen Symptome
  • Die Beschwerden beziehen sich auf die zugrunde liegende entzündliche oder metabolische Erkrankung

Was zu tun ist: Eine leichte C3-Erhöhung im Rahmen einer Akut-Phase-Reaktion ist häufig und normalisiert sich meist mit Besserung der Grunderkrankung. Ein dauerhaft erhöhtes C3 kann mit metabolischem Syndrom, Insulinresistenz oder chronischer Entzündung assoziiert sein. Behandelt werden sollte die Grunderkrankung – etwa durch Behandlung eines metabolischen Syndroms, einer Infektion oder einer entzündlichen Erkrankung. Ein isoliert erhöhtes C3 erfordert selten eine spezielle weitere Abklärung, sofern keine anderen Auffälligkeiten vorliegen.

Was niedrige C3-Werte bedeuten

Häufige Ursachen

  • Aktiver systemischer Lupus erythematodes (insbesondere Lupusnephritis)
  • Postinfektiöse (poststreptokokkenbedingte) Glomerulonephritis
  • C3-Glomerulopathie (C3-Glomerulonephritis, Dense-Deposit-Krankheit)
  • Atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS)
  • Hereditärer Komplementmangel
  • Schwere Lebererkrankung (verminderte Produktion)
  • Kryoglobulinämie
  • Serumkrankheit
  • Membranoproliferative Glomerulonephritis
  • Schwere Sepsis oder disseminierte intravasale Gerinnung (Verbrauch)

Mögliche Symptome

  • Die Symptome hängen von der Ursache ab – oft nierenbezogen: Blut oder Eiweiß im Urin, Ödeme, Hypertonie
  • Bei SLE: Gelenkschmerzen, Hautausschlag, Müdigkeit, Fieber
  • Rezidivierende bakterielle Infektionen (bei hereditärem Mangel)
  • Dunkler oder schäumender Urin

Was zu tun ist: Ein niedriges C3 erfordert bei Nierenerkrankung oder Lupus eine zügige Abklärung. Gleichzeitig sollte C4 bestimmt werden (niedriges C3 bei normalem C4 spricht für Aktivierung des alternativen Wegs; sind beide erniedrigt, spricht das für Aktivierung des klassischen Wegs wie bei SLE). Zusätzlich sind Anti-dsDNA-Antikörper, Urinstatus, Nierenfunktionswerte und gegebenenfalls eine Nierenbiopsie wichtig. Bei aktiver Lupusnephritis kann eine Eskalation der immunsuppressiven Therapie erforderlich sein. Bei komplementvermittelten Nierenerkrankungen kommen komplementgerichtete Therapien (Eculizumab, Ravulizumab) infrage. Bei hereditärem Mangel ist eine Impfung gegen bekapselte Erreger essenziell.

Wann wird ein C3-Test empfohlen?

  • Zur Überwachung der Krankheitsaktivität bei bekanntem SLE (serielle Messungen zusammen mit C4 und Anti-dsDNA)
  • Im Rahmen der Abklärung einer Glomerulonephritis (insbesondere membranoproliferativ oder postinfektiös)
  • Wenn ein hereditärer Komplementmangel vermutet wird (rezidivierende Infektionen durch bekapselte Bakterien)
  • Bei Verdacht auf atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom (aHUS)
  • Wenn Kryoglobulinämie oder eine Immunkomplexerkrankung vermutet wird

Häufig gestellte Fragen

Die gemeinsame Messung von C3 und C4 hilft zu erkennen, welcher Aktivierungsweg des Komplementsystems beteiligt ist. Sind sowohl C3 als auch C4 erniedrigt, ist wahrscheinlich der klassische Weg aktiviert – das ist typisch für aktiven SLE, bei dem Immunkomplexe die klassische Kaskade auslösen. Ist C3 niedrig, C4 aber normal, spricht das eher für eine Aktivierung des alternativen Wegs, wie bei C3-Glomerulopathie oder manchen Infektionen. Ist C4 niedrig, C3 aber normal, kann ein genetischer C4-Nullallelzustand oder eine frühe Aktivierung des klassischen Wegs vorliegen. Dieses Muster hilft bei Diagnostik und Management.
Bei aktivem Lupus werden C3 und C4 typischerweise alle 1–3 Monate bestimmt, oft zusammen mit Anti-dsDNA-Titern und Urinstatus. In Remission reichen oft Kontrollen alle 3–6 Monate. Entscheidend ist die Verlaufstendenz: Ein fallendes C3 geht einem klinischen Schub häufig um Wochen voraus und eröffnet damit ein Zeitfenster für eine frühzeitige Therapieanpassung. Zudem sollte bei jeder Patientin und jedem Patienten ein individueller Ausgangswert bekannt sein, da manche Lupusbetroffene konstitutionell niedrige Komplementspiegel haben.
Die Ernährung erhöht den Komplementspiegel nicht direkt, aber Faktoren, die Entzündung oder die hepatische Proteinsynthese steigern, können C3 als Akut-Phase-Protein moderat beeinflussen. Adipositas und metabolisches Syndrom sind mit chronisch erhöhtem C3 assoziiert. Es gibt keine Nahrungsergänzung, die ein niedriges C3 bei Autoimmunerkrankungen zuverlässig normalisiert – hierfür muss die zugrunde liegende immunvermittelte Aktivierung behandelt werden. Gewichtsreduktion kann helfen, leicht erhöhte C3-Werte im Rahmen einer metabolischen Dysfunktion zu normalisieren.

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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche können zwischen Laboren variieren. Besprechen Sie die Interpretation Ihrer konkreten Testergebnisse immer mit Ihrer medizinischen Fachperson.

Hinweis: SymptomGPT ist kein medizinisches Diagnosetool und ersetzt keine medizinische Beratung. Wenden Sie sich immer an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Wenn Sie einen medizinischen Notfall haben, rufen Sie sofort Ihre örtliche Notrufnummer an.