Anti-Streptolysin O
Immunsystem & EntzündungZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Anti-Streptolysin O?
Anti-Streptolysin O (ASO) ist ein Antikörper, den das Immunsystem als Reaktion auf Streptolysin O bildet, ein toxisches Enzym (Hämolysin), das von Streptokokken der Gruppe A (GAS, Streptococcus pyogenes) freigesetzt wird. Streptolysin O schädigt Zellmembranen des Wirts, insbesondere von roten und weißen Blutkörperchen, und der Körper bildet ASO-Antikörper, um dieses Toxin zu neutralisieren. Der ASO-Titer spiegelt die Stärke der Immunantwort auf eine kürzlich durchgemachte Streptokokkeninfektion wider.
Der ASO-Titer ist der am häufigsten verwendete serologische Test, um eine vorausgegangene GAS-Infektion nachzuweisen. Er steigt innerhalb von 1–3 Wochen nach der Infektion an, erreicht nach 3–5 Wochen seinen Gipfel und fällt über mehrere Monate langsam wieder ab. Besonders wichtig ist der Test zur Diagnose poststreptokokkenbedingter Komplikationen wie akutes rheumatisches Fieber und poststreptokokkale Glomerulonephritis, bei denen der Nachweis einer kürzlichen GAS-Infektion entscheidend ist. Rachenabstriche oder Schnelltests können zu diesem Zeitpunkt bereits negativ sein, weshalb serologische Hinweise unverzichtbar sind. Für eine höhere Sensitivität wird ASO häufig mit Anti-DNase-B kombiniert.
Warum der Wert wichtig ist
Der ASO-Titer liefert serologische Hinweise auf eine kürzlich zurückliegende Infektion mit Streptokokken der Gruppe A. Das ist entscheidend für die Diagnose des akuten rheumatischen Fiebers und der poststreptokokkalen Glomerulonephritis. Akutes rheumatisches Fieber kann dauerhafte Herzklappenschäden verursachen, während eine poststreptokokkale Glomerulonephritis zu einer akuten Nierenschädigung führen kann. Beide Erkrankungen treten typischerweise 1–5 Wochen nach einer Streptokokken-Pharyngitis oder Hautinfektion auf, wenn Abstriche oft schon negativ sind. Ein erhöhter ASO-Wert stützt die streptokokkenbedingte Ursache und hilft bei der weiteren Behandlung, einschließlich einer Antibiotikaprophylaxe zur Verhinderung von Rückfällen beim rheumatischen Fieber.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene | <200 | IU/mL |
| Kinder im Schulalter | <300 | IU/mL |
| Vorschulkinder | <100 | IU/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe ASO-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Kürzlich durchgemachte Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A
- Akutes rheumatisches Fieber
- Poststreptokokkale Glomerulonephritis
- Streptokokken-Hautinfektionen (die ASO-Antwort kann dabei schwächer ausfallen)
- Scharlach
- Streptokokken-Pyodermie oder Erysipel
Mögliche Symptome
- Wandernde Polyarthritis (bei rheumatischem Fieber)
- Karditis (neues Herzgeräusch, Brustschmerzen, Herzinsuffizienz)
- Chorea (unwillkürliche Bewegungen, bei rheumatischem Fieber)
- Subkutane Knoten und Erythema marginatum (bei rheumatischem Fieber)
- Dunkler oder teefarbener Urin, Ödeme, Hypertonie (bei Glomerulonephritis)
- Periorbitale oder periphere Ödeme
Was zu tun ist: Ein erhöhter ASO-Titer bestätigt eine kürzlich durchgemachte Streptokokkeninfektion, erfordert aber für sich genommen keine Behandlung, da er eine vergangene Immunreaktion widerspiegelt. Behandelt wird die poststreptokokkenbedingte Komplikation: Akutes rheumatisches Fieber wird mit antientzündlicher Therapie behandelt und erfordert eine langfristige sekundäre Penicillinprophylaxe. Die poststreptokokkale Glomerulonephritis wird unterstützend mit Blutdruckkontrolle, Flüssigkeitsmanagement und Überwachung der Nierenfunktion behandelt. Eine aktuelle GAS-Besiedlung sollte mit Penicillin oder Amoxicillin eradiziert werden. Serielle ASO-Titer mit zunächst steigendem und später fallendem Verlauf stützen die Diagnose zusätzlich.
Was niedrige ASO-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Keine kürzlich zurückliegende Streptokokkeninfektion
- Frühe Infektion (Antikörper noch nicht angestiegen)
- Antibiotikatherapie mit gedämpfter Immunantwort
- Immundefizienz (verminderte Antikörperbildung)
Mögliche Symptome
- Keine spezifischen Symptome durch niedrige ASO-Werte
Was zu tun ist: Ein normaler ASO-Titer macht eine kürzlich zurückliegende Streptokokkeninfektion weniger wahrscheinlich, schließt sie aber nicht sicher aus. Bei Streptokokken-Hautinfektionen und nach früher Antibiotikagabe kann die ASO-Antwort abgeschwächt sein. Wenn der klinische Verdacht auf eine poststreptokokkenbedingte Erkrankung hoch bleibt, sollten Anti-DNase-B-Titer bestimmt und gegebenenfalls ein Streptozyme-Test erwogen werden. Eine Wiederholung nach 2 Wochen kann einen ansteigenden Titer zeigen, der diagnostisch aussagekräftiger ist als ein Einzelwert.
Wann wird ein ASO-Test empfohlen?
- Wenn ein akutes rheumatisches Fieber vermutet wird (Jones-Kriterien)
- Wenn eine poststreptokokkale Glomerulonephritis vermutet wird
- Wenn zu diagnostischen Zwecken eine kürzlich zurückliegende Streptokokkeninfektion nachgewiesen werden soll
- Bei der Abklärung ungeklärter Arthritis oder Chorea bei Kindern
- Wenn nach einer kürzlichen Halsentzündung ein neues Herzgeräusch festgestellt wird
Häufig gestellte Fragen
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