Anti-Müller-Hormon
HormoneZuletzt geprüft: 7. April 2026. Quellenansatz: Standardkontext zur Laborinterpretation, allgemeine medizinische Referenzmaterialien sowie öffentliche Gesundheits- oder klinische Leitlinien, sofern relevant.
Was ist Anti-Müller-Hormon?
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Glykoproteinhormon aus der Familie der Transforming-Growth-Factor-beta-(TGF-β)-Proteine. Bei Frauen wird AMH von Granulosazellen kleiner antraler und präantraler Follikel in den Eierstöcken gebildet. Es ist einer der besten verfügbaren Marker für die ovarielle Reserve – also für den noch vorhandenen Vorrat an Eizellen, die potenziell befruchtet werden können. Die AMH-Werte korrelieren mit der Anzahl antraler Follikel im Ultraschall und spiegeln die Menge, nicht jedoch die Qualität, der verbleibenden Oozyten wider.
Anders als FSH und Estradiol bleibt AMH im Verlauf des Menstruationszyklus relativ stabil und kann daher zu jedem Zeitpunkt gemessen werden. Mit zunehmendem Alter sinken die Werte kontinuierlich, weil der Follikelpool kleiner wird; in der Menopause ist AMH meist nicht mehr nachweisbar. In der Reproduktionsmedizin wird AMH häufig verwendet, um das Ansprechen der Eierstöcke auf eine Stimulation bei IVF vorherzusagen, Frauen zur Familienplanung zu beraten und Erkrankungen wie das polyzystische Ovarsyndrom zu beurteilen, bei dem AMH typischerweise erhöht ist.
Warum der Wert wichtig ist
AMH ist der praktischste und verlässlichste Bluttest zur Beurteilung der Ovarialreserve. Er hilft Frauen und ihren Ärztinnen und Ärzten, fundierte Entscheidungen über Familienplanung, Fertilitätserhalt und die Erfolgsaussichten assistierter Reproduktionsverfahren zu treffen. Niedriges AMH spricht für eine verminderte Ovarialreserve und ein schwächeres Ansprechen auf die Stimulation bei IVF, während hohes AMH auf PCOS hinweisen und das Risiko einer ovariellen Überstimulation anzeigen kann. Außerdem wird AMH in der pädiatrischen Endokrinologie bei Störungen der Geschlechtsentwicklung und in der Onkologie zur Beurteilung der verbliebenen Ovarialfunktion nach Chemotherapie eingesetzt.
Normale Referenzbereiche
| Gruppe | Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Frauen (25–30 Jahre) | 1.0–5.0 | ng/mL |
| Frauen (31–35 Jahre) | 0.7–3.5 | ng/mL |
| Frauen (36–40 Jahre) | 0.3–2.0 | ng/mL |
| Frauen (41–45 Jahre) | 0.1–1.0 | ng/mL |
| Männer | 1.4–15.3 | ng/mL |
Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse immer mit den Bereichen Ihres Testlabors.
Was hohe AMH-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) – Werte oft 2- bis 4-fach über dem altersentsprechenden Bereich
- Granulosazelltumoren des Ovars
- Ovarielle Überstimulation während einer Fertilitätsbehandlung
- Normale Variation bei jungen Frauen mit großem Follikelpool
Mögliche Symptome
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation (bei PCOS)
- Zeichen des Hyperandrogenismus (Akne, Hirsutismus) bei PCOS
- Ovarielles Überstimulationssyndrom (Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit) während IVF
- Bei isolierter Erhöhung oft symptomlos
Was zu tun ist: Erhöhtes AMH zusammen mit Zyklusstörungen und Hyperandrogenismus stützt die Diagnose eines PCOS. Ein AMH-Wert über 5 ng/mL bei einer jungen Frau mit Oligomenorrhö ist hoch suggestiv für PCOS, auch wenn AMH noch nicht Teil der formalen Rotterdam-Kriterien ist. Bei IVF sagt ein hohes AMH ein starkes Ansprechen auf Gonadotropine voraus, weshalb die Dosis gesenkt werden sollte, um ein ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS) zu vermeiden. Ein GnRH-Agonisten-Trigger statt hCG kann das OHSS-Risiko senken. Sehr hohe AMH-Werte bei gleichzeitigem Becken-/Ovarialtumor sollten an einen Granulosazelltumor denken lassen.
Was niedrige AMH-Werte bedeuten
Häufige Ursachen
- Verminderte Ovarialreserve (altersbedingt oder vorzeitig)
- Vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI)
- Vorangegangene Ovarialoperation (Zystektomie, Oophorektomie)
- Chemotherapie oder Beckenbestrahlung
- Endometriose (insbesondere Ovarialendometriome)
- Rauchen
- Nahende Menopause
Mögliche Symptome
- Verkürzte Menstruationszyklen
- Schwierigkeit, schwanger zu werden
- Schlechtes Ansprechen auf IVF-Stimulation
- Hitzewallungen und Nachtschweiß (bei nahender Menopause oder POI)
- Oft keine Symptome – niedriges AMH kann Zyklusveränderungen um Jahre vorausgehen
Was zu tun ist: Niedriges AMH zeigt eine reduzierte Ovarialreserve an, schließt aber eine natürliche Schwangerschaft nicht aus – AMH spiegelt die Eizellzahl, nicht die Qualität wider. Frauen mit niedrigem AMH und künftigem Kinderwunsch sollten frühzeitig eine reproduktionsmedizinische Beratung suchen, da die Reserve weiter abnimmt. Möglichkeiten wie Fertilitätserhalt durch Eizell- oder Embryokryokonservierung können besprochen werden. Bei IVF werden oft höhere Gonadotropindosen oder alternative Protokolle wie Mini-IVF oder Natural-Cycle-IVF genutzt. FSH und die Zahl antraler Follikel im Ultraschall liefern ergänzende Informationen. Wichtig ist auch: AMH eignet sich nicht als Verhütungsmarker – auch bei niedrigem AMH kann es weiterhin zum Eisprung und zu spontanen Schwangerschaften kommen.
Wann wird ein AMH-Test empfohlen?
- Zur Beurteilung der Ovarialreserve vor einer Fertilitätsbehandlung oder Eizellkonservierung
- Bei der Beratung zur Familienplanung
- Bei Verdacht auf PCOS
- Zur Einschätzung der verbliebenen Ovarialfunktion nach Chemotherapie
Häufig gestellte Fragen
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Quellen- und Prüfungsansatz
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